PM: Ärzte wollen weniger Bürokratie für mehr Arztzeit

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jaeckel
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PM: Ärzte wollen weniger Bürokratie für mehr Arztzeit

Beitrag von jaeckel » 02.02.19, 08:56

Wucht des Ärzteprotests überrascht Spahn - Ärzte wollen weniger
Bürokratie für mehr Arztzeit


Die Proteste der Ärzte gegen das Terminservice- und Versorgungsgesetz
(TSVG) am vergangenen Mittwoch haben Bundesgesundheitsminister Jens
Spahn erreicht. Die "Wucht der Wut" habe ihn allerdings überrascht,
sagte Spahn am Donnerstag der "Rheinischen Post". Wieland Dietrich,
Vorsitzender der Freien Ärzteschaft, betonte am Freitag in Essen
erneut: "Wir lehnen das TSVG entschieden ab, weil es massiv in die
Tätigkeit der niedergelassenen Ärzte eingreift, den Ärztemangel
verschärft und die Patientenversorgung verschlechtert. Das ist nicht
im Sinne der Ärzte und Patienten."

Spahn hatte noch einmal das Ziel der Bundesregierung erläutert: dafür
zu sorgen, dass gesetzlich versicherte Patienten schneller einen
Arzttermin bekämen. Konkreten Vorschlägen der Ärzteschaft, wie dieses
Ziel erreicht werden könne, wolle er sich nicht verschließen. "Unsere
Vorschläge", so Dietrich, "stehen weitgehend im Gegensatz zu dem, was
der Minister plant. Unsere Forderungen: Budgetierung und Regresse
beenden, Bürokratie und Dirigismus abbauen, die ärztliche
Schweigepflicht und die Patientendaten schützen sowie die
selbstständigen Arztpraxen stärken, damit die Patienten mehr Arztzeit
bekommen." Die Tätigkeit als niedergelassener Haus- und Facharzt
müsse wieder attraktiv werden, das Engagement von Ärzten müsse
endlich wieder belohnt statt diskreditiert werden - und zwar ohne
Bevormundung durch Staat oder Kassen.

Die Bürokratie habe in den vergangenen Jahren noch zugenommen. Mit
dem medizinisch sinnlosen Online-Abgleich der Versichertenstammdaten
für die Kassen in den Praxen gehe die Politik diesen falschen Weg
weiter. Das TSVG bringe noch mehr Bürokratie: mit den
Terminservicestellen, Nachweis von akuten und neuen Patienten,
medizinisch nicht hilfreichen Kodierrichtlinien für Diagnosen und
vielem mehr. Dietrich macht klar, dass es endlich in Richtung
Bürokratieabbau gehen muss, und rechnet vor: "Wenn Bürokratie
beispielsweise halbiert würde, dann hätte jeder Vollzeit-Praxisarzt
pro Woche mindestens drei Stunden mehr Zeit für die
Patientenbehandlung. Bei 150.000 Ärzten würden damit insgesamt jede
Woche 450.000 Stunden Behandlungszeit entstehen. Das entspricht mehr
als 8.500 Ärzten in Vollzeittätigkeit." Und die Berufszufriedenheit
von Ärztinnen und Ärzten würde steigen, durch mehr sinnvolle Arbeit
statt durch Ausübung von Verwaltungstätigkeiten - das wäre ein
wirksamer Anreiz für den derzeit wegbrechenden Nachwuchs.

Spahn äußerte zudem in der Rheinischen Post, dass die Akzeptanz für
die elektronische Patientenakte (ePA) steigen werde, "wenn die Ärzte
merken, dass sie besser arbeiten können, weil sie in einer
elektronischen Akte die komplette Krankheitsgeschichte ihres
Patienten finden." Für Dietrich ist nicht nachvollziehbar, wie wenig
Aufmerksamkeit der Minister dem Datenschutz schenkt. "Hier geht um
die sensibelsten Daten der Bürger", betont der FÄ-Chef. "Spätestens
nach dem jüngsten Datenklau bei Politikern und Prominenten sollte
jedem klar sein, dass diese Daten nicht ins Netz gehören. Als Ärzte
setzen wir uns weiterhin für den Schutz der Patientendaten und den
Erhalt der Schweigepflicht ein. Staatlicher Zwang für Verantwortung
tragende Ärzte auf diesem sensiblen Feld ist inakzeptabel." Nach der
EU-Datenschutzgrundverordnung sei jeder Arzt verpflichtet, eine
Nutzen-Risiko-Analyse über den Umgang mit den Patientendaten zu
machen und dies könne jeder Arzt ohnehin nur im Kontext seines
jeweiligen Faches und Tätigkeitsbereiches tun.

Über die Freie Ärzteschaft e.V.

Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf
als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und zählt heute
mehr als 2.000 Mitglieder: vorwiegend niedergelassene Haus- und
Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des
Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der
FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im
Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.

Pressekontakt:
presse@freie-aerzteschaft.de

V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, http://www.freie-aerzteschaft.de

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Bravo Kollege Dietrich !

Beitrag von PR » 02.02.19, 10:31

D a s sind die Stellungnahmen, die ich seit Jahren von den Ärztekammern erwartet hätte.
Wenn sie denn "Standesvertretungen" wären. Die sind in Wirklichkeit freilich bräsige selbstgefällige öffentlich-rechtliche Körperschaften, die nicht genug kriegen von vermeintlich staatstragendem gar vorauseilendem Kadavergehorsam. Siehe Interview Uli Clever im ÄND.

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