Zwiespalt Studienwahl: Human- oder Zahnmedizin? Meinungen?

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vasni
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Zwiespalt Studienwahl: Human- oder Zahnmedizin? Meinungen?

Beitrag von vasni » 26.08.12, 00:30

Liebe Forenmitglieder,

ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich sonst direkt nachfragen soll, deshalb frage ich hier:
Ich habe mein Abitur bestanden mit einem Schnitt von 1,7 und "tendiere" schon seit vielen Jahren grob in Richtung Medizin. So langsam muss dieses "Grobe" aber konkreter werden und ich kann mich einfach nicht entscheiden zwischen Human- oder Zahnmedizin.
Zumal ich mich außerdem frage, ob ein Medizinstudium für mich überhaupt in Frage kommt: Meine Begabungen liegen eigentlich eher im künstlerischen und sprachlichen Bereich, mein Interesse und meine Leidenschaft gilt aber seit jeher der Wissenschaft. Physik und Chemie waren in der Schule immer meine schlechtesten Fächer, für Biologie habe ich gebüffelt wie für kein anderes Fach und es war mein bestes. Kann man sich an Schulfächern überhaupt orientieren, wenn man über ein Medizinstudium nachdenkt?

Außerdem habe ich aufgrund einer chronischen Erkrankung nach dem Abi 2 Jahre pausiert, muss mir wohl noch ein Jahr geben. Ein Bekannter, Zahnarzt, meinte nun, wenn ich ohnehin an Zahnmedizin interessiert sei, wäre das dann aufgrund des Alters der bessere Weg, weil man früher fertig ist und früher auf eigenen Beinen steht. Außerdem würde mir die "Ausbeutung der Assistenzärzte" erspart bleiben. Seht ihr das genauso? Ist das tatsächlich so?
Generell finde ich Zahnmedizin sehr "verlockend". Zum einen wegen der Möglichkeit der "schnellen Selbstständigkeit", zum andern, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie glücklich man Menschen mit einem funktionsfähigen Gebiss machen kann, generell finde ich die Fortschritte in der Zahnmedizin sehr interessant. Davon abgesehen wäre besagter Bekannter sehr geneigt, mein Studium mitzufinanzieren, wenn ich danach in der Praxis einsteigen würde, so das Angebot, was natürlich eine Sicherheit bedeutet.
In der Humanmedizin, finde ich, gibt es aber einfach so viele unglaublich interessante Bereiche und viel mehr Möglichkeiten, sich zu orientieren. Es klingt wohl verdammt plump, allerdings fand ich (salopp gesagt) "das Aufschneiden" während meiner Praktika mit am interessantesten. Es fasziniert mich und das würde mir bei der Zahnmedizin sehr fehlen.
Gibt es auch beim Studium der Zahnmedizin Möglichkeiten, durch Weiterbildungen etc. operativ/chirurgisch tätig zu sein? "Nur" Löcher füllen und Zähne ziehen wäre nicht das, was ich mein Leben lang machen möchte. Allerdings weiß ich auch nicht, ob ich die Zahnmedizin nicht sehr unterschätze?! Ist das Studium "leichter" im Sinne von "weniger umfangreich" als das der Humanmedizin?
Humanmedizin würde ich im Großen und Ganzen favorisieren, ich weiß aber nicht, ob ich es "durchhalten" würde, erstmal mehrere Jahre als Assistenzarzt enorm viel zu arbeiten für relativ wenig Geld, da ich wie gesagt ohnehin später anfange und Auszeitsemester aufgrund der Krankheit kann ich in den nächsten 5-6 Jahren nicht ausschließen.
Es wäre sehr schön, wenn mir jemand einfach mal eine Meinung sagen könnte zum Thema Zahnmedizin vs. Humanmedizin. Vielleicht habe ich auch total verdrehte Ansichten und jemand kann das korregieren? Generell würde mich einfach interessieren, was Studenten oder Studierte zum Thema zu sagen haben, schließlich ist das für mich eine wichtige Entscheidung.
Ich danke im Voraus und hoffe, ich trete hier niemandem auf die Füße!
LG Vasni

Humungus
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Re: Zwiespalt Studienwahl: Human- oder Zahnmedizin? Meinunge

Beitrag von Humungus » 26.08.12, 07:11

vasni hat geschrieben:Kann man sich an Schulfächern überhaupt orientieren, wenn man über ein Medizinstudium nachdenkt?
Kaum. Ein Studium ist wesentlich komplexer und vielfältiger im Charakter als einzelne Fächer. Allgemein gesagt ist das Medizinstudium und auch die Tätigkeit aber naturwissenschaftlich orientiert. In diese Richtung sollten Sie einen Draht und Interesse haben.

Ein Bekannter, Zahnarzt, meinte nun, wenn ich ohnehin an Zahnmedizin interessiert sei, wäre das dann aufgrund des Alters der bessere Weg, weil man früher fertig ist und früher auf eigenen Beinen steht.
Das Alter darf niemals Kriterium sein. Außerdem weiß niemand, wohin das Gesundheitswesen geht und wo es in 5-10 Jahren steht. Vielleicht werden dann auch die Zahnärzte in Ambulatorien gepresst, und dann ists mit den "eigenen Beinen" Sense. Auch den Gedanken an eine Selbständigkeit sollten Sie hintan stehen lassen (wobei die Chancen für einen Zahnmediziner oder einen Hausarzt noch höher sind als für einen Facharzt).
Außerdem würde mir die "Ausbeutung der Assistenzärzte" erspart bleiben.
Ich will ja nicht böse sein, aber - vielleicht will er Sie ja ausbeuten? :twisted:

Dass das Leben eines Arztes kein Zuckerschlecken mehr ist und die Situation schwieriger wird ist klar. Assistenzärzte in Krankenhäusern haben für junge Akademiker kein so schlechtes Gehalt, kämpfen aber mit Bürokratismen, mit Einmischungen von ahnungslosen Verwaltern, mit Arbeitsüberlastung und wegbrechenden Kollegen. Andererseits können Sie sich absolut sicher sein, dass Sie sich in 10 Jahren die Stelle aussuchen können. Umso mehr, da Sie anscheinend flüssig deutsch sprechen, was bei Assistenzärzten immer rarer wird. Die Anzahl der Patienten, die russisch, kalmykisch, arabisch oder auch chinesisch sprechen, ist der Situation der Assistenzärzte noch nicht angemessen. :wink:

Generell finde ich Zahnmedizin sehr "verlockend". Zum einen wegen der Möglichkeit der "schnellen Selbstständigkeit", zum andern, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie glücklich man Menschen mit einem funktionsfähigen Gebiss machen kann, generell finde ich die Fortschritte in der Zahnmedizin sehr interessant.
Über Zahnmedizin kann ich wenig sagen, weil ich sie nur als Patient ertragen muss...
Davon abgesehen wäre besagter Bekannter sehr geneigt, mein Studium mitzufinanzieren, wenn ich danach in der Praxis einsteigen würde, so das Angebot, was natürlich eine Sicherheit bedeutet.
Sicherheit für wen?

In der Humanmedizin, finde ich, gibt es aber einfach so viele unglaublich interessante Bereiche und viel mehr Möglichkeiten, sich zu orientieren. Es klingt wohl verdammt plump, allerdings fand ich (salopp gesagt) "das Aufschneiden" während meiner Praktika mit am interessantesten.
Natürlich ist die Humanmedizin wesentlich vielseitiger, und Sie werden ihre Möglichkeiten erst dann wenigstens zum Teil kennenlernen, wenn Sie studieren oder Praktika machen.
Gibt es auch beim Studium der Zahnmedizin Möglichkeiten, durch Weiterbildungen etc. operativ/chirurgisch tätig zu sein? "Nur" Löcher füllen und Zähne ziehen wäre nicht das, was ich mein Leben lang machen möchte. Allerdings weiß ich auch nicht, ob ich die Zahnmedizin nicht sehr unterschätze?!
Das tun Sie, denken Sie nur an die Implantologie, an chirurgische Korrekturen. Außerdem gibt es (für unentschlossene Verrückte) auch die Möglichkeit eines Doppelstudiums und einer Tätigkeit als ZMK-Chirurg. Der macht dann übertrieben gesagt nahezu alles, was sich im Gesicht und Hals befindet.

Ist das Studium "leichter" im Sinne von "weniger umfangreich" als das der Humanmedizin?
Da wäre ich sehr vorsichtig. Zwar ist das medizinische Wissen eines Zahnmediziners zum Teil geringer, aber das handwerkliche Wissen (nur als Beispiel die Materialkunde) wesentlich höher.

Zu Ihrer Erkrankung, die Sie andeuten, nur eines: als Selbständiger ist es ausgesprochen schwierig, Erkrankungen zu kompensieren, denn wenn Sie nicht antreten, kommt kein Geld rein. Versicherungen, die so etwas mitmachen, gibt es nicht (nach dem ersten Schaden fliegen Sie raus), und Sie können Vertreter beschäftigen, das schadet aber langfristig dem Ruf der Praxis (denn Patienten kommen oft wegen dem Arzt und nicht wegen der Erkrankung). In einer Gemeinschaftspraxis wird der Kollege bald murren, denn er kann sich schlecht zerteilen. Rechnen Sie also damit, auch in Ihrer beruflichen Laufbahn krank zu werden und länger auszufallen? Dann sind Sie als Angestellter auf der sichereren Seite.
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