Zahnarztangst - Mut antrinken ?

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mxyzzhch
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Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von mxyzzhch » 23.03.19, 17:15

Hallo zusammen,
könnte über Zahnarztangst ein Buch schreiben. Nun hab ich mir in der Not überlegt, ob ich mir nicht vor der nächsten Zahnextraktion Mut antrinken sollte. Ein Weisheitszahn muss raus. Meine Befürchtungen bewegen sich in die Richtung: Wie kommt der Zahnarzt da überhaupt ran, wird das nicht viel länger dauern als sonst üblich? Und das sind noch die harmlosesten Befürchtungen.
Würde ich mit einem halben Glas Bier intus mit Komplikationen zu rechnen haben, die auf den Alkoholgenuss zurückzuführen sind? Würde sich diese Menge Alkohol mit den Betäubungsmitteln vertragen ?

Ist es richtig, dass mit dem Alter der Kiefer ein Stück „schwindet“ ? Darf man sich erhoffen, dass mit zunehmendem Alter Extraktionen leichter vor sich gehen, der Zahn leichter aus dem Zahnfach zu entfernen wäre?
Ab welchem Alter macht sich das bemerkbar ? Bereits mit 70 oder erst mit 80?
Ich wäre sehr dankbar für eine Antwort

Liebe Grüße
Eva mxzzhch

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 24.03.19, 08:35

Hallo,
es ist die Frage, ob man mit Alkohol sich Mut antrinken kann, das sind so irrationale Vorstellungen. Ferner ist der Zahnarzt sicher nicht erfreut, wenn er ständig den Biergeruch vor seiner Nase hat. Eine Weisheitszahn Entfernung ist für den Arzt nur unwesentlich schwerer, in diese Gegend kommt er gut hin.
Kiefer schwindet nicht, aber die Knochenstruktur wird etwas dünner, das ist aber in diesem Bereich völlig uninteressant. Pauschal kann man nicht sagen, ob mit zunehmendem Alter eine Extraktion schwieriger wird. Meine erste und bisher einzige Entfernung ( auch die erste Betäubung) ging im Alter von 70 Jahren gut und dauerte etwa 10 Minuten.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Muppet
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von Muppet » 24.03.19, 08:50

Hallo
Alkohol fordert die Blutgerinnung und führt zu mehr Blutung. Mut anzutrinken, wäre schön so betrachtet nicht schlau. Du blutest mehr und die Schwellungen werden größer.

Gruß
Muppet

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 24.03.19, 09:23

Hallo,
" fördert" die Blutgerinnung-ist wohl ein Schreibfehler. Alkohol, aber nur in größeren Mengen und regelmäßiger Einnahme hemmt die Blutgerinnung und wirkt somit blutverdünnend und blutungsfördernd.
Grüße Dr. Fischer
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mxyzzhch
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von mxyzzhch » 24.03.19, 10:06

Zunächst vielen Dank für die Antworten.
Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:Hallo,
Meine erste und bisher einzige Entfernung ( auch die erste Betäubung) ging im Alter von 70 Jahren gut und dauerte etwa 10 Minuten.
Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,
meinten Sie , dass die Entfernung allein 10 Minuten gedauert hat ? Oder meinten Sie Betäubung und Entfernung dauerten 10 Minuten ?
Würden Sie mir außerdem die Frage beantworten, wie lange in der Regel die Entfernung beispielweise eines 24ers dauert?
Liebe Grüße
Eva

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 24.03.19, 10:47

Hallo Eva,
5 MInuten warten, bis die Lokalanästhesie wirkt, dann Extraktion gut 10 Minuten. Dann-je nach Größe der Wundhöhle- noch 1-2 deckende Nähte und dann ist alles schon vorbei. Zahn 24 hat ja lediglich 2 Wurzeln, dürfte also noch leichter zu entfernen sein. Wichtig bei allen Zahnextraktionen ist es, dass kein Wurzelfraktur entsteht. Aber selbst dann ist es kein Drama und in den seltensten Fällen muß man dann die Wundhöhle ausschaben, um kleine eventuell verbliebene Wurzelreste zu entfernen.
Grüße Dr. Fischer
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mxyzzhch
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von mxyzzhch » 24.03.19, 11:34

Sehr geehrter Herr Dr.Fischer,
ich fühle keine Kraft, diese Prozedur 10 Minuten durchzustehen. Ich hab meine bisherigen Extraktionen bereist schockierend in Erinnerung, aber die haben nie so lange gedauert. Selbst wenn die Schmerzen betäubt sind, man spürt doch aber einen unerträglichen Druck, ein unerträgliches Ausgeliefertsein. Der Zahn befindet sich im Ok.
Liebe Grüße
Eva

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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 24.03.19, 13:25

Hallo,
dann kann ich auch nicht mehr helfen, tut mir leid. Eine kurze Lachgasnarkose wäre u.U. noch denkbar, aber das müßte man mit dem Zahnarzt besprechen, da so etwas nicht gerade üblich ist und wahrscheinlich nur noch in entsprechend ausgestatteten Praxen möglich ist.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von heidu » 24.03.19, 17:06

Hallo Eva,
meine Nichte hatte die gleichen Sorgen. Unter Hypnose und eine Spritze, dann wurde die Sache ohne Schmerz bewältigt.
Auf keinen Fall mit Alkohol, der Zahnarzt würde Sie nicht behandeln.
Wenn Sie Hypnose zulassen ist das eine feine Sache, bei mir mit Implantat war es sehr angenehm.

mxyzzhch
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von mxyzzhch » 25.03.19, 08:59

Hallo heidu,
vielen Dank für die Information. Ich befürchte, in der ländlichen Gegend hier ist weit und breit kein Hypnotiseur zu finden.
Aber ich werde mich umhören.
Du schreibst: eine Spritze und Hypnotiseur. War es eine Spritze, die narkotisiert hat ? oder beruhigt? Oder wie geht das vor ?
Wäre schön, wenn Du mir nochmal antworten würden
Liebe Grüße
Eva

Brigitte Goretzky
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von Brigitte Goretzky » 25.03.19, 10:16

Hallo mxyzzhch,

Sie sollten sich einen Zahnarzt suchen, der sich auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert hat, auch wenn Sie dazu etventuell weiter fahren müssen. Möglich wäre auch die Behandlung in einer Zahnklinik, z.B. in der nächstgelegenen Uniklinik oder einer Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie.
Ausser einer Hypnosebehandlung kommen auch Sedierung ("Schlafspritze") oder eine Kurznarkose in Betracht, aber dazu braucht der Zahnarzt einen Anästhesisten - gibt es aber sogar in Zahnarztpraxen!

Alkohol ist die denkbar schlechteste Lösung. Zum einen hat heidu ja schon angemerkt, dass der Zahnarzt einen unter auch nur kleinsten Dosen Alkohol stehenden Patienten vermutlich abweisen wird, da weder der genaue Alkoholspiegel noch die Wechselwirkungen zwischen Konsum und Medikamenten eingeschätzt werden können. Zum anderen ist Alkohol als Stresslöser ein denkbar ungeeignete Mittel: wer merkt, dass Alkohol beruhigt und Angst löst, greift immer wieder in allen möglichen Situationen zu diesem Mittel. Bis es irgendwann gar nicht mehr ohne geht. Der berufliche und soziale Abstieg in dann vorprogrammiert.

Besser ist es mithilfe eines Psychotherapeuten an ihrer Angst zu arbeiten und Strategien zu entwickeln, mit denen Sie ihren Alltag und wichtige Situationen meistern können. Bitte suchen Sie sich professionelle Hilfe!

Alles Gute,
B. Goretzky
And God promised men that good and obedient wives would be found in all corners of the earth.


Then she made the world round and laughed and laughed and laughed...

mxyzzhch
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Re: Zahnarztangst - Mut antrinken ?

Beitrag von mxyzzhch » 25.03.19, 10:52

Hallo B Goretzki,
Vielen Dank für die Information !
Alles Gute für Sie
Eva

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