Windpocken-Impfung bzw Immunität durch Gürtelrose?

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MarcoW75
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Windpocken-Impfung bzw Immunität durch Gürtelrose?

Beitrag von MarcoW75 » 29.01.18, 08:57

Hallo!
Meine Frau und ich planen,in die USA auszuwandern. Im Rahmen des Papierkrames im Vorfeld muss man auch eine medizinische Untersuchung über sich ergehen lassen, in diesem Rahmen wird auch der Impfstatus gecheckt. Dabei ist es nach Altersstufen gestaffelt, welche Impfungen man vorweisen können muss. Bei Krankheiten wie Windpocken,die man üblicherweise nur 1x im Leben bekommt, reicht auch ein Impftiter als Nachweis der Immunität, sofern man keine Impfung bekommen hat (anders gesagt: Man muss entweder nachweisen,daß man geimpft wurde oder die Krankheit schon hatte). In meiner Altersgruppe wären das Tetanus, MMR und Windpocken.

Dazu habe ich 2 Fragen:
a) Tetanus-Impfung ist bei mir noch aktuell, MMR wurde in der Kindheit gemacht. Ein Problem sind die Windpocken,denn dagegen wurde in der DDR erst ab Mitte der 80er geimpft,das war nach meinen "Impfzeiten",d.h. ich wurde nie gegen Windpocken geimpft. Allerdings weiß nicht mal meine Mutter,ob ich in meiner Kindheit je die Windpocken gehabt habe und somit Antikörper im Blut sind. Also bleibt wohl nur,einen Impftiter zu machen. Daraus ergibt sich ein neues Problem, denn im negativen Fall (=ich hatte noch keine Windpocken) verlangen die amerikanischen Behörden zwingend eine entsprechende Impfung. Ich habe inzwischen schon bei 3 Ärzten angerufen und gefragt,ob die denn Erwachsene gegen Windpocken impfen,doch alle halten sich an die Empfehlungen er STIKO (Ständige Impfkommission), welche eine Windpockenimpfung bei Erwachsenen nicht empfiehlt. Bleibt mir da nichts weiter übrig,als weiter Ärzte abzuklappern, um einen zu finden,der mich auch im Erwachsenenalter noch impft ?

b) ähnliches Problem,aber andere Person. Auch bei meiner Frau ist unbekannt,ob sie je Windpocken hatte. Allerdings ist bei ihr bekannt,daß sie mal die Gürtelrose hatte, die m.W.n. von dem selben Erreger verursacht wird. Heißt das,daß jemand,der eine Gürtelrose hatte, Antikörper gegen Windpocken entwickelt hat ?

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Windpocken-Impfung bzw Immunität durch Gürtelrose?

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 29.01.18, 10:09

GUten Tag,
"Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Varizellen empfänglichen Personen mit besonderen gesundheitlichen Risiken wie z.B. empfänglichen (= seronegativen) Patienten vor immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation, unter besonderen Bedingungen auch unter immunsuppressiver Therapie und bei Leukämie, sowie Personen mit schwerer Neurodermitis und allen empfänglichen Personen, die engen Kontakt zu diesen besonders gefährdeten Personen haben. Besondere Bedeutung für den Schutz des Ungeborenen oder Neugeborenen hat die Impfung von seronegativen Frauen mit Kinderwunsch.

Darüber hinaus empfiehlt die STIKO auch seronegativem Personal im Gesundheitsdienst die Impfung gegen Varizellen. Insbesondere in den Bereichen Pädiatrie, Onkologie, Gynäkologie/Geburtshilfe, Intensivmedizin und im Bereich der Bereuung von Immundefizienten sowie bei Neueinstellungen in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter sollte eine Impfung erfolgen.

Stand: 16.02.2017"
Es ist also durchaus möglich, sich auch im Erwachsenenalter impfen zu lassen. Es ist also nicht so, dass man die Impfung bei Erwachsenen grundsätzlich nicht empfiehlt.
"Heißt das,daß jemand,der eine Gürtelrose hatte, Antikörper gegen Windpocken entwickelt hat ?"- ja, aber die Titeruntersuchung ist natürlich dennoch obligat als Nachweis.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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