Warum immer "Anpassungsstörungen"

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beagle
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Warum immer "Anpassungsstörungen"

Beitrag von beagle » 10.10.15, 07:23

Standarddiagnose bei psychiatrischen Gutachten ist immer "Anpassungsstörungen". Warum ?
Beispiel: Ein Arbeitgeber will Personal abbauen. Einer der Betroffenen wehrt sich. Der Arbeitgeber beginnt mit den üblichen Gängeleien, Mobbing, Versetzungen, Zuteilung ungeliebter Arbeit / Hilfsarbeit usw. Nach drei quälenden Jahren und einem gewonnenen Gerichtsverfahren wird der Arbeitgeber aggressiver. Bei jedem normalen Menschen hat das doch früher oder später gesundheitliche, insbesondere psychische und psychosomatische, evtl. sogar dann organische Erkrankungen zur Folge. So auch hier. Der amtsärztlich tätige Gutachter schreibt in seinem Gutachten aber -Anpassungsstörungen-. Heißt das jetzt, das Problem sind gar nicht Mobbing, Gängelung und Angriffe durch den Arbeitgeber, sondern ich habe eine Störung, nämlich mich an diese Angriffe anzupassen ?

(Wenn das so ist, dann auf zum fröhlichen Mobbing ! Mobbt, wen ihr mobben könnt, schuld ist immer das Opfer. :ironie: )

şelale
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Re: Warum immer "Anpassungsstörungen"

Beitrag von şelale » 08.06.16, 12:47

Hallo,
ich würde das nicht so ernst nehmen. Es gibt im ICD-10 nur einfach kein Wort/Diagnose für solche Fälle. Es gibt kein "Mobbingfolgen" oder "aufgrund von sexuellem Missbrauch psychische Störung". Allenfalls gibt es bei schweren Fällen noch die Posttraumatische Belastungsstörung. Klingt aber auch nicht besser, oder?
Man kann sich darüber aufregen, dass es dafür keine Bezeichnung gibt, welche die Täter anprangert - oder versuchen es zu ignorieren. Die heutige Psychiatrie, so jedenfalls meine eigene Meinung, ist sehr auf das Individuum bezogen. Die Begleitumstände spielen bei den Diagnosen kaum eine Rolle. Die Ursachen sind auch i.d.R. bei psychischen Krankheiten nicht Teil der Diagnosekriterien.
Viele Grüße!

usker
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Re: Warum immer "Anpassungsstörungen"

Beitrag von usker » 27.06.16, 19:11

hi beagle,
ich würde das schon ernst nehmen, denn -
Mobbing liegt vor, wenn im Rahmen einer Täter-Opfer-Konstellation innerhalb einer sozialen Gemeinschaft oder einem Abhängigkeitsverhältnis der Täter mittels Psychoterror (psychische und/oder körperliche Gewalt) systematisch, willkürlich und/oder unter Anmaßung des alleinigen Deutungsrechts die Persönlichkeitsrechte seines Opfers so verletzt, dass das Opfer psychosozial destabilisiert einen zunehmenden gesundheitlichen und sozialen Schaden erleidet.
(http://www.mobbingsyndrom.de)

Offensichtlich sehen viele Psychiater nicht, dass es sich hier nicht um ein 'Kavailiersdelikt' handelt sondern um eine massive Belastung..

Gruss
usker

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