Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

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Prothesengott
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Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Prothesengott » 07.02.15, 17:23

Hi,

Ich bin diagnostizierter Asperger Autist und leide recht stark an meiner damit zusammenhängenden Immobilität, vorwiegend ausgelöst durch mangelndes Orientierungsvermögen und Reizüberflutungen im Alltag.

Ich habe in dem Zusammenhang einen Antrag um die Erweiterung meines Behindertenausweises, vorwiegend um das Merkzeichen (G) = Gehbehindert gestellt. Dieser wurde leider abgelehnt.

Ich frage mich nun mit welchen Mitteln ich dem Versorgungsamt meine Beeinträchtigungen darlegen kann. Wie lässt sich eine autistisch bedingte Einschränkung der Bewegungsfähigkeit diagnostizieren? Ich hatte eigentlich gehofft es würde ausreichen meine Problematik ausführlich zu schildern... anscheinend leider nicht. :(

Was für einen Arzt (Psychiater/ Psychologen/ Neurologen) soll ich jetzt aufsuchen, welche Art von Begutachtung müsste stattfinden und welches Attest bescheinigt werden um mir meine Einschränkung Aussagekräftig nachweisen zu lassen.

Freundliche Grüße
Prothesengott

Muppet
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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Muppet » 07.02.15, 21:41

Hallo,
mit "G" wirst du nicht weitkommen. Heißt ja Gehbehindert. Das bist du nicht.

Ggf. B "Begleitung" falls du einer Betreuer hast.

Sonst wird nichts genehmigt.

Was du eher machen kannst, ist eine neuropsychologische Therapie beantragen.
Orientierungstraining.
Gruß
Muppet

Prothesengott
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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Prothesengott » 08.02.15, 09:18

Das Gehbehinderung nicht auf mich zutrifft würde ich auch bestätigen, allerdings ist das lediglich der Name des Merkzeichens, inhaltlich umfasst es auch Fortbewegungsprobleme durch Orientierungsschwierigkeiten etc.

Das Merkzeichen trifft also schon zu, ich bin nur irgendwie im Zugzwang diese Beeinträchtigungen nachzuweisen und habe keine Idee wie ich das anstellen soll :(

Muppet
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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Muppet » 08.02.15, 17:29

Hallo

Orientierungsprobleme in diesem Sinn heißt nicht einfach ständig verlaufen.
Die Voraussetzung kann auch erfüllt sein , wenn die Orientierungsfähigkeit des Behinderten erheblich gestört ist (z.B. bei Sehbehinderten ab einem GdB von 70, bei Gehörlosen mit Sehbehinderung oder bei erheblich geistig Behinderte
Darunter fällst du nicht. Erheblich geistig behindert ist ein IQ von ca. 30 oder niedriger.

Wie lässt sich eine autistisch bedingte Einschränkung der Bewegungsfähigkeit diagnostizieren?
Neuropsychologisch. Fällt unter kognitive Störung. Reizüberflutung auch.


Welche GdB hast du dann überhaupt? Das ist ja die erst Voraussetzung.
Gruß
Muppet

Prothesengott
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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Prothesengott » 09.02.15, 14:49

Muppet hat geschrieben:Neuropsychologisch. Fällt unter kognitive Störung. Reizüberflutung auch.
Sollte ich also am ehesten einen Neuropsychologen bezüglich einer Attestierung meiner Einschränkungen aufsuchen?

Muppet hat geschrieben:Welche GdB hast du dann überhaupt? Das ist ja die erst Voraussetzung.
Aktuell habe ich einen GdB von 50, inwiefern ist das für die Bescheinigung des Merkzeichens (G) relevant?


Gruß Prothesengott

Muppet
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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Muppet » 09.02.15, 16:50

Hallo,
weil unter ein GdB von 70 wird nur sehr, sehr selten das "G" erteilt. Und wie oben zitiert: Beispiel (vom Versorgungsamt selbst) ist GdB 70 und fast komplett blind dabei.

Deine Beeinträchtigungen fallen nicht in diese Klasse.

Und ja, für kognitive Störungen sind Neuropsychologen zuständig.
Wird aber nicht für ein G Merkzeichen reichen.

Man lernt einfach besser mit Hilfsmittel zu arbeiten, damit man ungefähr landet, wo man hin wollte. Orietierungsstörungen sind behandelbar.

Gruß
Muppet

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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Heinerle » 09.02.15, 17:16

Eine Gehbehinderung liegt ja eindeutig nicht vor. Weiter ist G zu vergeben bei inneren Leiden, die die Laufstrecke einschränken, z. B.Herz oder auch epileptische Anfälle. Aber wieso sollte man das G erhalten wegen Orientierungslosigkeit oder Reizüberflutung ? Sie müssten eher das H beantragen, wenn es so dramatisch ist ,dass sie draußen orientierungslos sind.Dan würden sie auch frei fahren können .Oder zumindest B für Begleitung.
Nur mal nebenbei:Wenn man an Reizüberflutungen leidet, ist es denn dann möglich, Bus und Bahn zu fahren ? Wundert mich grade etwas, ich habe sowas auch ein wenig, und daher nutze ich mein G nur selten .

Prothesengott
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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Prothesengott » 10.02.15, 21:34

Heinerle hat geschrieben:Eine Gehbehinderung liegt ja eindeutig nicht vor. Weiter ist G zu vergeben bei inneren Leiden, die die Laufstrecke einschränken, z. B.Herz oder auch epileptische Anfälle. Aber wieso sollte man das G erhalten wegen Orientierungslosigkeit oder Reizüberflutung ?
Naja aber der Abschnitt geht ja noch weiter...

Merkzeichen G
In seiner Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheblich beeinträchtigt, wer infolge einer Einschränkung des Gehvermögens auch durch innere Leiden oder infolge von Anfällen oder von Störungen der Orientierungsfähigkeit nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten oder nicht ohne Gefahren für sich oder andere Wegstrecken im Ortsverkehr zurückzulegen vermag


Wobei Muppet ja schon den Text Auszug gepostet hat, der nahelegt das die bei Orientierungsproblemen ehr von Sehbehinderung/Hörbehinderung ausgehen.

Die Voraussetzung kann auch erfüllt sein , wenn die Orientierungsfähigkeit des Behinderten erheblich gestört ist (z.B. bei Sehbehinderten ab einem GdB von 70, bei Gehörlosen mit Sehbehinderung oder bei erheblich geistig Behinderten

Heinerle hat geschrieben: Sie müssten eher das H beantragen, wenn es so dramatisch ist ,dass sie draußen orientierungslos sind.
Komisch das selbe dachte ich auch erst... H - "Hilflos" klingt vom Namen des Merkzeichen schon zutreffender. Allerdings hat man mir in einem anderen Forum genau das Gegenteil geraten und gemeint das ich als Asperger mit G bessere Chancen hätte.
Heinerle hat geschrieben:Dan würden sie auch frei fahren können .Oder zumindest B für Begleitung.
Nur mal nebenbei:Wenn man an Reizüberflutungen leidet, ist es denn dann möglich, Bus und Bahn zu fahren ? Wundert mich grade etwas, ich habe sowas auch ein wenig, und daher nutze ich mein G nur selten .
Warum gehen Sie davon aus das es mir vorrangig um den Nachteilsausgleich der freien Bahnfahrt geht?

Aber ja, Bahnfahren geht eigentlich noch am besten... ka warum.

Auf welcher Grundlage haben Sie ein G bescheinigt bekommen?

Muppet
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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Muppet » 10.02.15, 23:09

Hallo,
Orientierungsprobleme im Text: stark sehbehindert oder sehbehindert +! Schwerhörigkeit.
Schwerhörigkeit/Taub alleine reicht nicht unbedingt immer aus.

Dann kommt Epilepsie - muss aber pharmakoresistent sein. Anfallsfreiheit unter Medikamenten gilt nicht!
Sowie Erkrankungen wie z.B. COPD, Krebserkrankungen usw. wobei laufen kaum möglich ist.

Neuropsychologische Orientierungsprobleme und Reizüberflutung sind etwas ganz anders.
Es besteht kein Gefahr, dass du plötzlich umfällst oder Schwächezustände hast.
Frage ist: wenn nicht vor hast öffentliches Verkehrsmittel wie U-Bahn und Bus zu benutzen, wieso brauchst du das "G"?
Wenn es um Autofahren geht: wenn die Orientierungsprobleme und Reizüberflutung so stark sind, darfst du gar nicht Autofahren.
Meine Störungen in diesem Hinsicht haben schon dafür ausgereicht, das ich ein Gutachten erstellen lassen musste. Habe auch eine Hemiparese und Anfälle. Aber kein G Merkzeichen.

Daher hast du vermutlich sehr schlechte Chancen.

Gruß
Muppet

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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Heinerle » 11.02.15, 07:02

Guten Morgen,
Muppet hat die Antwort gegeben : Ich nahm an,dass es nur um Bus und Bahn gehen kann, weil bei Orientierungslosigkeit Autofahren gar nicht in Frage kam.
Ich habe das G wegen einer Gehbehinderung, also das hat andere Gründe.

Aber letztlich können wir hier ja nicht einschätzen, ob die Orientierungsfähigkerit erheblich gestört ist. Klar scheint mir nur,dass ein G allein nicht helfen würde,denn Bus und Bahn fahren erfordert an sich Selbständigkeit. Mindestens sollten sie dann auch das B beantragen. Und die Reizüberflutung wüde ich nicht als Grund nennen , denn wer öfter Bahn und Bus fährt, weiss, welches Gedränge und wieviel Geräusche etc. da auszuhalten ist.

Meike 21
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Re: Immobilität bei Asperger Syndrom diagnostizieren

Beitrag von Meike 21 » 25.11.16, 20:32

Hallo
Kann ich vieleicht hierzu noch eine Frage stellen,auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist?
Wenn man einen Schwerbehinderten Ausweis beantragt,und besitzt einen Füherschein,kann das
Versorgungsamt dann bei bestimmten Krankheiten,die später dazu kommen,den Füherschein einziehen?
Grüße Meike

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