Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

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walter67
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Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von walter67 » 13.09.18, 22:48

ja mittlerweile bin ich seit Montag 51 Jahre doch gesundheitlich befinde ich mich auf den Tiefpunkt meines Lebens.

Ich versuche es, auch wenn es mir schwer fällt möglichst kurz zu machen.
Ich wurde weitsichtig geboren und im Alter von 4 Jahren begann ich alternierend nach Innen zu schielen.
Meine verstorbene Mutter erzählte mir das dies erst von ihr bemerkt wurde als ich in diesen Alter Masern hatte.
Zunächst gingen wir gemeinsam in die Sehschule mir wurden die Augen verklebt doch der Arzt und meine Mutter gaben auf.
Der Arzt meinte es würde sich mit der Pubertät geben.
Aber das Gegenteil war der Fall.
Das schlimme war umso älter ich wurde umso mehr wurde ich von meinen Mitmenschen traktiert. In der Schule war es besonders schlimm.
Ich galt als Kind hochbegabt und ich fadisierte mich. Jetzt angekommen in der HAK war es genauso. Das was der Lehrer da vorn erklärte war mir zu fad zu interessant und ich hatte immer den Eindruck das die meisten meiner Mitschüler nur dumm waren. Doch die Wirklichkeit sah ganz anders aus. Ich meldete mich einfach überhaupt nicht zeigte nicht auf.
Denn wenn ich es tat drehten sich alle um und begannen zu lachen.
Dann wurde ich 18 Jahre alt und ich wollte diesen Leben entfliehen als Ausweg schien mit der Selbstmord das einzige probate Mittel zu sein.

Doch ich überlebte es nur ganz knapp.
Mit 19 Jahre wurde ich das 1. Mal Schieloperiert. 38 Prismendioptrien hatte die Untersuchung ergeben.
Die OP verlief zunächst sensationell gut und ich hatte in diesen Alter die erste Freundin.
Ich kostete das Leben voll aus.
Nach 10 Jahren hatte ich allerdings einen Restschielwinkel von 10 Grad auf einmal wieder.
Wieder wurde ich im selben Spital operiert.
Ich bekam zur Simulation der OP eine Brille mit einer Prismenfolie.


Wie ich aus dieser OP aufwachte und mir der Verband genommen wurde hatte ich Doppelbilder in der Nähe wie in der Ferne. Auch hatte sich das Gefühl für den Raum total verändert.

Was aber viel schlimmer war. Ich schielte auf einmal nach aussen!! Und das nicht zu wenig.

Die Othopitistin die die Untersuchungen machte war nicht da und der (Wortsperre: Name) war entsetzt obgleich des Operationsergebnisses und wollte sofort wieder operieren.

3 Tage später kam die Orthopitistin und ich werde ihr Gesicht nie vergessen. Sie konnte mich nie ansehen und ich fing zu weinen an.

Als sich nach Wochen nichts besserte an der Situation begann ich das Spital zu verklagen und ich verlor den Prozess.


Im Laufe der nächsten Jahre und bis heute konnte ich die Doppelbilder die ich beim Geradeausblick habe, nur in der Entfernung, gut unterdrücken. Nur wenn ich müde bin oder in der Nacht bei hellen Lichtquellen gelingt mir das nicht. In der Nähe bis ca. 3-4 m, eigene Einschätzung sehe ich nicht doppelt. Doppelt sehe ich auch beim Aufblick aber nicht beim Abblick.

Seit 1 Jahr habe ich eine Lesebrille bekommen. In der Ferne sehe ich offensichtlich nicht so schlecht nur in der Nähe sehr unscharf. Und jetzt mit der Lesebrille sehe ich auf einmal auch in der Nähe alles doppelt.

Schlimm genug nur der Augenarzt konnte mir nicht helfen. Sie müssen sich damit abfinden!! hat er mir gesagt.

Bei der Sehschule wo ich am Montag war wurde mir eine Prismenfolie auf die linke Glasfläche gegeben. So aber auch hier habe ich Probleme. Beim Abblick beim Schreiben habe ich zeitweise Doppelbilder, beim Blick nach links keine bei der Dextroversion habe ich wieder welche.

Ich habe einfach nur das Gefühl das mir keiner helfen kann.

Zu meinen Doppelbildern: Ich sehe in der Entfernung das Doppelbild auch in der Höhe verschoben: Ein Bild steht höher wie das andere........

Vielleicht kann mir wer auf Grund meiner Beschreibung etwas dazu schreiben.

Feuerblick
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von Feuerblick » 14.09.18, 10:08

Das Einzige, was man dazu schreiben kann: Gehen Sie in eine auf Strabologie spezialisierte (Universitäts-)Augenklinik und lassen Sie sich VOLLSTÄNDIG durchuntersuchen. Mit einer simplen Schielwinkelmessung wird man bei Ihnen kaum weiterkommen. Da ist deutlich mehr Diagnostik notwendig - gerade auch bei höhenversetzten Doppelbildern.
Und richten Sie sich darauf ein, dass man nicht auf Anhieb das Problem lösen kann sondern dass man ein paar Versuche brauchen wird, um den richtigen Weg zu finden.

Alles Gute!

walter67
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von walter67 » 14.09.18, 16:05

Ja genau das ist das schwierige bei uns, ich komme aus Österreich. Und hier habe ich kaum Interesse erfahren müssen.

Feuerblick
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von Feuerblick » 14.09.18, 19:21

Nun, als Selbstzahler könnten Sie sich auch hier in Deutschland anschauen lassen. Oder in der Schweiz. Es nutzt ja nichts, sich darüber zu ärgern, dass keine Fachleute im Land sind... das Problem löst sich dadurch nicht...

walter67
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von walter67 » 14.09.18, 19:54

Das ist natürlich richtig. Nur wo finde ich in der Schweiz, haben gehört Sankt Gallen? bzw. Deutschland die Stadt Giessen. Laut Eigenbeschreibung das größte deutschsprachige Ambulatorium für diese Krankheit.
Oder gibt es, Verzeihung für den Begriff, einen Guru für diese Augenkrankheit?

Feuerblick
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von Feuerblick » 15.09.18, 08:48

Ja, das wären zwei gute Adressen. Gießen war immer DAS Zentrum für komplizierte Schielerkrankungen und ist, auch wenn der langjährige Chef inzwischen berentet ist, immer noch eine gute Adresse. Und Mojon in St. Gallen ist auch sehr gut.
Aber wie gesagt: Bei komplizierten Fällen ist es leider so, dass man mehrere Ansätze verfolgen muss. Erwarten Sie keine Wunder und erwarten Sie nicht, dass man nach so langer Krankengeschichte gleich beim ersten Termin die Lösung findet. Das schürt nur den Frust.

walter67
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von walter67 » 16.09.18, 18:31

Nach 46 Jahren mittlerweile schielens "hoffe" ich auch auf keine Wunder.

Fraglich ist ja wie bei allen wie sehr sich das Schielen manifestiert hat. Was ich damit meine ist der Faktor im Gehirn.

Wie sehr wechselt der Schielwinkel in den verschiedenen Blickrichtungen und Entfernungen?

Feuerblick
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von Feuerblick » 16.09.18, 20:08

Ob und wie ein Schielwinkel sich ändert, kommt konkret auf die Art des Schielens und auf mögliche Voroperationen an. Das ist sehr individuell.
Und ob und wie das System sich nach langer Zeit wieder an eine neue Augenstellung anpassen kann, muss man auch individuell ermitteln. Bei manchen funktioniert das super, bei manchen gar nicht. Die Sensorik ist beim einen empfindlich, beim nächsten total unempfindlich. Manch einer schielt 50 Jahre, hat kein beidäugiges Sehen und nach einer OP sogar sowas wie beidseits gleichzeitige Wahrnehmung. Einen anderen kann man mit einer OP nach so langer Zeit einfach kosmetisch glücklich machen. Und der Dritte verträgt es gar nicht und sieht plötzlich doppelt.... Sie sehen - alles kann, nichts muss.

Daher: Ab in eine spezialisierte Klinik, komplett durchuntersuchen lassen (es gibt deutlich mehr Möglichkeiten als eine Prismenfolie) und dann kann man Ihnen etwas dazu sagen. Anders funktioniert das gerade in einem so komplexen Fall nicht.

walter67
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von walter67 » 16.09.18, 21:09

Das werde ich auch sicher machen. Kann man eigentlich, ich weiß es ist schwer sagen, was so eine Untersuchung kostet, wenn ich als Österreicher, nach Giessen z.b. fahre?

Feuerblick
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von Feuerblick » 17.09.18, 16:14

Da ich Ihnen nicht sagen kann, welchen Umfang eine Untersuchung hätte, wäre das Spekulation...

rivo2018
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von rivo2018 » 27.09.18, 08:45

Hallo Walter67,
mein Name ist Rita. Ich sehe doppelt seit einem Verkehrsunfall 1984. In alle Blickrichtungen und je nachdem auch übereinander oder nebeneinander. Bei mir passt keine Prismenstärke. Zum Glück kann ich trotzdem am Computer arbeiten. Den Führerschein durfte ich natürlich nicht machen. Ich habe mich auch nach den vielen Jahren noch immer nicht daran gewöhnt und kann es auch nicht kompensieren. Es ist einfach störend. Gab es bei Ihnen ein auslösendes Ereignis oder sind die Doppelbilder auf einmal einfach so da gewesen? Bei mir kann auch nicht operiert werden, weil der Fehler irgendwo im Gehirn liegt. Es hieß von der Augenklinik damals auch, wenn man operieren würde, könnte ich nachher andersrum doppelt sehen. Man wollte bei mir ein Auge künstlich erblinden, dann könnte ich den Führerschein machen. Das war die Aussage bei einem Gutachten. Ich bin froh, dass ich mit beiden Augen sehen kann und würde so etwas nie machen lassen. Soviel zu mir. Ich weiß für Sie kein Trost. Aber was bringen OPs wenn man nicht weiß, was danach ist.
Viele Grüße
rivo

walter67
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von walter67 » 27.09.18, 10:02

Nein ich sehe erst doppelt nach der OP die in einen konsekutiven Strabismus divergens mündete. Jetzt habe ich eine stärkere Prismenfolie bekommen weil die jetzige noch immer DP verursachte.

Der Sachse
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von Der Sachse » 10.11.18, 21:15

Hallo Walter, ich lebe auch in Österreich und habe schon viele tEuros in Deutschland in medizinische Eingriffe investiert.
Die Kassen in Österreich zahlen nur unfreiwillig,wenn es etwas ist, was in Österreich nicht gemacht werden könnte.
Und da kann man quasi plötzlich alles in Österreich.
In Sachen Herz und Krebs sind die Kassen kulanter.

Also bei mir ist es so, dass in den Sehrnerven Zellen absterben, das rechte Auge wurde wegen Schielens operiert.
Da ich viel Pfusch am eigenen Körper durch die Medizin in Österreich erfahren musste, hatte ich vor dieser OP sehr viele schlaflose Nächte.

Muss aber sagen, dass ich hier in Sachen Augen das Landeskrankenhaus in Feldkirch eigentlich nur empfehlen kann.
Wenn die da richtig untersuchen, ist man 2 Tage dort. Man muß da allerdings Zeit, Geduld mitbringen.
Da mal fragen kostet nichts. Anfragen per Mail geht auch, kann aber ein bis zwei Tage dann dauern, bis man etwas zurück bekommt.
Aber immer noch besser, als endlos in der Warteschleife zu hängen.

Gruß
Sven
Gruß Sven

Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen.
Der muß auch mit jedem Arsch klarkommen !

Feuerblick
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von Feuerblick » 11.11.18, 10:07

Da ich den Chef der Augenklinik des LK Feldkirch kenne, glaube ich gerne, dass das eine gute Adresse ist. :wink:
Ob man dort allerdings mit offenbar hochkomplizierten Schielerkrankungen wie in Walters Fall umgehen kann, weiß ich nicht. Gefühlt ist da doch ein anderes Kaliber an Strabologe erforderlich.

Bessi
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Re: Schielen-Meine unendliche Leidensgeschichte

Beitrag von Bessi » 21.03.19, 17:55

Also ich bin mittlereweile 63 Jahre, und seit dem Schiele ich auch mit dem linken Auge. Mit dem linken sehe ich im prinzip nur 40% scharf. Mir haben die Augenärzte als ich mal nach der möglichkeit für eine korektur gefragt hatte das man da jetzt nichts mehr machen kann. Weil die sehnerven durch die jahrzehnte verkürzt wären. Das das Auge nach innen schilt hat mich noch nie gestört auch in der Schule hatte ich deshalb keine Probleme mit denn mitschülern. Ich bin zwar auch gehänselt worden aber weil ich recht klein geraten bin wegen einem angeborenen Herzfehler der als ich 6 jahre war korrigiert wurde. Kinder können ganz schön einen pisacken es war schon immer so und heut zu tage ist es noch schlimmer.
Führerschein durfte ich zwar machen aber ich musste zu sogenanten idiotentest hin nur wegen dem Auge, denn wenn hauptsächlich nur einäugig scharf sieht ist es etwas schwierig. Ob es mittlereweile was in der richtung geändert wurde weiss ich nciht Ich hatte meinen Führerschein 1978 in Deutschland gemacht

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