Reanimation - Medikamente ohne Erfolg?

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frequenzkatastrophe
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Reanimation - Medikamente ohne Erfolg?

Beitrag von frequenzkatastrophe » 30.11.09, 14:39

Bin eben über eine interessante Studie, aus Skandinavien gestolpert, was haltet Ihr davon?

Gekürzte Version einer Studienzusammenfassung von Univadis:




Intravenöse Medikamente, die im Rahmen erweiterter kardialer Lebenserhaltungsmaßnahmen verabreicht werden, konnten das Langzeitüberleben nicht verbessern. Das geht aus einer ersten randomisierten kontrollierten Studie hervor, die die Outcomes eines als fast universal geltenden Verfahrens getestet hatte, so ein Bericht in der JAMA-Ausgabe vom 25. November....

Sie untersuchten 851 Patienten, die einen Krankenwagen zur ambulanten Behandlung eines Herzstillstandes zwischen Mai 2003 und April 2008 benötigten. Die Probanden erhielten randomisiert entweder die standardmäßigen erweiterten kardialen lebenserhaltenden Maßnahmen mit intravenöser Gabe von Medikamenten (418 Patienten), oder erweiterte kardiale lebenserhaltende Maßnahmen ohne intravenöse Gabe von Medikamenten (433 Patienten).

Zunächst war das Kurzzeitüberleben mit den intravenösen Medikamenten besser (40 Prozent) als ohne (25 Prozent) und mehr Patienten in der Gruppe mit intravenösen Medikamenten (30 Prozent) überlebten die Überweisung auf die Intensivstation als Patienten aus der Gruppe ohne intravenöse Medikamente (20 Prozent). Dieser Nutzen verschwand jedoch schnell und das Überleben bis zur Krankenhausentlassung - das primäre Outcome dieser Studie - unterschied sich zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant (10,5 Prozent mit vs. 9,2 Prozent ohne intravenöse Medikamente).

Die Überlebensraten mit günstigen neurologischen Outcomes waren ebenfalls nicht signifikant anders: 9,8 Prozent für die intravenöse Gruppe und 8,1 Prozent für die nicht-intravenöse Gruppe, so die Forscher (JAMA 2009;302:2222-9).

In beiden Gruppen litten die meisten der Patienten, die nach einer ersten Wiederbelebung im Krankenhaus verstarben, an schweren Hirnschäden. Es könne sein, dass die intravenöse Gabe von Medikamenten eine "unproduktive Wiederbelebung von Patienten darstelle, deren Verletzungen an lebenswichtigen Organen ein Langzeitüberleben unwahrscheinlich machen".
Jedes Ding ist Gift, allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.

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Beitrag von VK-Retter » 01.12.09, 21:12

Alles in allem nichts neues wenn man sich entsprechende Fachempfehlungen bzw. die ERC-Guidelines ansieht. Denke aber das es dennoch (physiologisch bzw pharmakologisch nachvollziehbar und Ergebnisse aus Studien an Tieren) genug Gründe gibt während der Reanimation die von der ERC empfohlenen Medikamente zu verwenden - solange Maßnahmen höherer Evidenzklassen dadurch nicht in den Hintergund treten, bzw. vernachlässigt werden (was leider häufig genug der Fall ist).
Wir werden sehen was die AHA/ERC nächstes Jah an neuen Wahhreiten ausspucken.. ich bin gespannt.
Btw: Gibt ganz interessante Studien die sich mit Applikationsarten/Orten und Zeitpunkten beschäftigt. Allerdings vom Grunde her auch nichts weltbewegend neues. Genau so wie die Tatsache das generell in der Kombination Medikamente/Reanimation noch viel zu erforschen ist. Auch wenn uns die gute alte Ethik es hie rnicht besonders einfach macht. Nicht umsonst werden viele Maßnahmen an Stellen und in Dosierungen empfohlen weil es schon immer so gemacht wurde, bzw nur auf diese eine Art Studien produziert wurden. Nicht wirklich evidenzlastig das ganze. Trotzdem halte ich es für sinnfrei wenn auf Grundlage dieser Umstände einige vereinzelte Ärzte hier ihre eigenen "Feldstudien" produzieren oder aufgrund von "Erfahrungswerten" eigene Therapieschemata und Reanimationsalgorhythmen an den Patienten bringen. Das dient nämlich weder der evidenzbasierten Medizin noch dem Patienten und führt nicht zuletzt dazu das das gesamte Team verunsichert ist/wird.
Quid pro quo?

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