Gesundheitssystem = Krankheitssystem?

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Timmie2
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Re: Gesundheitssystem = Krankheitssystem?

Beitrag von Timmie2 » 22.02.19, 22:35

Prof. Mausfeld: Hat sich die Vorstellung vom "mündigen Bürger" überlebt?
Die Idee der Demokratie entsprang aus der Bemühung, eine gesellschaftliche Organisationsform zu finden, die am ehesten einen inneren (und äußeren) Frieden gewährleistet.

swr Teleakademie

Christianes Herz
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Re: Gesundheitssystem = Krankheitssystem?

Beitrag von Christianes Herz » 23.02.19, 12:54

Der Grundstein für unsere Unmündigkeit in Sachen Gesundheit/Krankheit wurde mit dem Zwang zur Benutzung der Gesundheitskarte gelegt. Das hat die Sozialgerichtsbarkeit zu verantworten. Da wurden wir im Sinne der Allgemeinheit ans Gängelband der elektronischen Vernetzung gelegt. Alles weitere danach sind Lustspiele für die Digitalbefürworter. Wenn man mir nicht mehr ermöglicht, ohne diese Gesundeitskarte behandelt zu werden, muss man mir die Freiheit ermöglichen, aus der Pflichtsolidarität auszusteigen. Beides darf nicht sein. Eine Vernetzung muss freiwillig sein. Entweder ich zahle verpflichtend Beiträge und werde dann auch verpflichtend behandelt oder ich zahle freiwillig Beiträge und werde dann privat und folglich auch freiwillig behandelt. Online ist überall freiwillig, nur in der Solidarität nicht, obwohl ich allein durch die Einziehung von Beiträgen eine Behandlung bekommen müsste. In diesem Bereich ist eine Massenenteignungswelle vorausgegangen und darauf wird fröhlich einzelinteressenorientiert gesurft.

Frdl. Grüße
Christiane

Timmie2
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Re: Gesundheitssystem = Krankheitssystem?

Beitrag von Timmie2 » 14.03.19, 15:08

Ein weiterer Artikel von Sven Böttcher. Sein Buch "Rette sich wer kann" ist durchaus lesenswert, auch wenn ich nicht alle Ansichten von ihm teile.
Für das Gesundheitssystem ist Gesundheit bedrohlich

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Wo wer vernünftige Arbeit abliefern soll,

Beitrag von PR » 15.03.19, 02:39

Wo wer vernünftige Arbeit abliefern s o l l ,
da muss - in den "entwickelten Ländern" nur billig und recht - Geld fließen.

Klar ist, dass dieser einfache eindeutige Sachverhalt einer rapide wachsenden Bevölkerungsgruppe gar nicht bekannt ist
und infolgedessen von ihr gar nicht berücksichtigt werden kann: von der der Funktionäre, was, timmiezwoo ?

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Barnie Geröllheimer
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Re: Gesundheitssystem = Krankheitssystem?

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 15.03.19, 07:26

Heutzutage gibts schon Geld, wenn "wo wer" überhaupt schon mal vorhanden ist. Da ist noch längst keine "vernünftige" Arbeit abgeliefert.
Die letzte Pfeife, der unverschämteste Lackaffe hat die Wartezimmer voll. Das gibt es m.E in keiner anderen Branche.
Und es gibt meist keine Möglichkeiten, diesen Damen und Herren auszuweichen.
Der Patient hat keine Lobby.

Wir sollten schon da hinkommen, wo wir tatsächlich wieder "freie Arztwahl" haben. Das ist aber wiederum eine Frage genügender Studienplätze und genügend vakanter Arztsitze.

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tatsächlich wieder "freie Arztwahl"

Beitrag von PR » 19.03.19, 18:20

... und wovon träumen sie nachts, Barnie ?

Tatsache ist ja auch, dass so ein Arzt, einfach dafür dass er da ist, bereits einen Riesenhaufen Geld ausgegeben hat,
n i c h t für W a r e, deren Verfall ja doch ganz ordentlich eingepreist ist,
sondern für eine personelle, sanitäre, logistische, technische Infrastruktur.

Daran, dass Sie die "freie Arztwahl" so schnell nicht wiederkriegen werden, vielmehr das diametrale Gegenteil,
können Sie unschwer ablesen, ob sich das bloße Arztdasein schon wieder rechnet, oder noch nicht.

Aber ich weiß, ich weiß, bei Optikermeistern ist alles alles noch viel schlimmer...

;-O)

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Re: Gesundheitssystem = Krankheitssystem?

Beitrag von Barnie Geröllheimer » 20.03.19, 16:47

PR hat geschrieben:... und wovon träumen sie nachts, Barnie ?

Tatsache ist ja auch, dass so ein Arzt, einfach dafür dass er da ist, bereits einen Riesenhaufen Geld ausgegeben hat,
n i c h t für W a r e, deren Verfall ja doch ganz ordentlich eingepreist ist,
sondern für eine personelle, sanitäre, logistische, technische Infrastruktur.
Jaja, aber wenn die kostengünstige Refinanzierung im Vordergrund steht und nicht der Patient, dann haben wir nur scheinbar eine ärztliche Versorgung.
Tatsächlich haben wir nur einen Arzt, aber keine ärztliche Versorgung. Dasselbe gilt, wenn dieser seine 20 Std abreißt und dann golfen geht. Und dasselbe gilt, wenn er keine neuen Patienten annimmt (bzw. künftig NUR NOCH neue Patienten annimmt). Usw. usf.
PR hat geschrieben: Daran, dass Sie die "freie Arztwahl" so schnell nicht wiederkriegen werden, vielmehr das diametrale Gegenteil, können Sie unschwer ablesen, ob sich das bloße Arztdasein schon wieder rechnet, oder noch nicht.
Glauben Sie mir..: Die allermeisten nichtärztlichen Mitleser hier im Forum würden sich trotz Wochenarbeitszeit nach einem Einkommen eines niedergelassenen Arztes alle Finger lecken. Dies vor allem dann, wenn sich 20 Std."Ladenöffnungszeit" derart ergiebig erweisen, dass man nur diese Minimaldienstleistung anzubieten braucht.
PR hat geschrieben: Aber ich weiß, ich weiß, bei Optikermeistern ist alles alles noch viel schlimmer...
Sie sind doch ein Freund offener Worte..
Ich hab früher umsatzabhängig meist um die 7000 Mark/Monat als Optikermeister verdient, heute bekommt ein Meister max. 3-3500 Euro.

Ob sich das "rechnet"..?

PR
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;-))) Q e d

Beitrag von PR » 20.03.19, 20:04

Wollt Ihnen ja nur herleiten, wieso Sie auf die "freie Arztwahl" wahrscheinlich noch ein bisschen warten müssen.

Aber das wissen Sie ja schon auch aus eigener Erfahrung:

die Zahl der Ärzte, die überhaupt auswählbar sind (über die Patienten mit den Füßen abzustimmen in der Lage sind)
- das sind die selbstbestimmten in eigener Praxis selbständig wirtschaftenden (ja was denn sonst !) Ärzte -
wird weiter dramatisch abnehmen,

und die systematische ökonomisch ausgerichtete Steuerung aller Betriebsabläufe in der Medizin durch medizin-fremde und Patienten-ferne Männätscher wird genau so dramatisch zunehmen.

Das geht nur mit angestellten Ärztinnen. Die werden überwiegend in Teilzeit arbeiten. Das steigert den Bedarf an Ärzten enorm, vervielfacht den Dokumentations- und Kommunikationsaufwand und damit die Fehlerträchtigkeit des gesamten Systems. Und anonymisiert zunehmend den Kontakt zwischen Patient und Arzt.

Eine freie Arztwahl ist im kranken Kassenstaat politisch nicht erwünscht.
Danke, SPD !

PR

PS: bloß zom Saage
7.000 Mark brutto hatt ich in den späten Achtzigern als erfahrener Alt-Assistent mit dreizehn Nachtdiensten im Monat.
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amtlicher Nachweis gefällig ?

Beitrag von PR » 21.03.19, 12:52

https://www.kvmv.de/export/sites/defaul ... 032019.pdf

Die KV MeckPomm schlägt Alarm. Ihr gehen immer schneller die selbständigen Ärzte verloren. Sozusagen von Amts wegen werden die Folgen aufgezeigt. Das ist haargenau, was ich hier seit Jahren schreibe.

Danke, SPD !

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