Weitere Folgen des Ärztemangels

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Christianes Herz
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Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von Christianes Herz » 30.01.19, 14:15

Heute ein großer Aufhänger in den Ortszeitungen: Die Angehörigen von Verstorbenen müssen immer länger abwarten, bis ein Amtsarzt kommen kann und den Tod entspr. bescheinigt. Vorher darf an dem Verstorbenen nichts geändert werden, geschweige denn ein Bestattungsunternehmen gerufen werden. Hinzu kommt, dass nur ein Amtsarzt bescheinigen darf. Das muss vorher wohl auch vom Rettungs-/Notarzt möglich gewesen sein. Langsam gehen tatsächlich alle Lichter aus.

Frdl. Grüße
Christiane

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 30.01.19, 15:45

Hallo Christiane,
dann muß es wohl eine Änderung gegeben haben. Bisher konnte z.B. der Hausarzt/Bereitschaftsdient/ Notfallarzt eine Leichenschau durchführen und eine Todesbescheinigung ausstellen. Vielleicht ist es aber möglich, dass jedes Bundesland eine andere Regelung hat, denn auch hierin unterscheiden sich ja die entsprechenden Formulare. Unklar ist mir der Grund. Sollte etwa ein Amtsarzt eher die Leiche unbekleidet untersuchen? Ich gestehe, dass ich nie eine Leiche anlässlich der Untersuchung entkleidet habe. So etwas wäre mir zu peinlich und ethisch unerträglich gewesen, zumal ja sehr oft sich nahe Angehörige in unmittelbarem Umfeld befinden.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Humungus
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Re: Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von Humungus » 31.01.19, 07:42

Bisher konnte jeder Arzt eine erste (!) Leichenschau durchführen, vor einer Kremierung findet zwingend eine zweite (!) Leichenschau durch den Amtsarzt statt. Christiane, geht es vielleicht darum?
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.

Christianes Herz
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Re: Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von Christianes Herz » 31.01.19, 14:05

Es stand dort als Begründung, dass im Jahre 2016 vom Gesundheitsministerium NRW eine Empfehlung (!) herausgegeben wurde, wegen der Frage der Haftung die Bescheinigung den Amtsärzten im Land zu überlassen. Es wurde als Empfehlungsschreiben herausgegeben und anfangs hat sich wohl niemand so recht danach gerichtet, aber nun fällt es uns auf die Füße.

Frdl. Grüße
Christiane

engelchen66
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Re: Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von engelchen66 » 01.02.19, 09:35

Hallo,
ich bin zwar kein Arzt, bin aber gerade auf diesen Beitrag gestossen und habe eine Frage dazu.
Meine Mutter ist Ende Oktober im Pflegeheim verstorben. Sie hatte dort wohl schon einen Herzstillstand, der Hausarzt wurde gerufen und hat dann noch einen Krankenwagen gerufen und meine Mutter in ein Krankenhaus gebracht, wo sie nach 30 min. für tot erklärt wurde. Ich habe mir darüber viele Gedanken gemacht, ob das wirklich so sein musste. Ich war nicht dabei, mir hat nur das Pflegepersonal gesagt, das meine Mutter nicht leiden musste (bereits im Heim!). Das bedeutet für mich, dass sie schon im Heim tot war. Und sie hatte auch eine Patientenverfügung.
Warum musste sie dann noch ins KH? Weil der Hausarzt keine Todesbescheinigung ausstellen wollte oder konnte ? Meine Mutter starb in NRW.
Danke und Gruß Claudia

Humungus
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Re: Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von Humungus » 01.02.19, 14:09

Der Hausarzt hätte für die Todesbescheinigung wahrscheinlich weniger Zeit gebraucht als für seinen Aufenthalt dort. Es ist auch nicht klar, ob Ihre Mutter während des Aufenthalts des Hausarztes noch gelebt hat und/oder ob er Reanimationsmaßnahmen ergriffen hat. Am besten reden Sie mit dem Arzt darüber. Sie können dann sein Handeln besser verstehen.
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Angelus Noctis
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Re: Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von Angelus Noctis » 01.02.19, 21:02

Christianes Herz hat geschrieben:Die Angehörigen von Verstorbenen müssen immer länger abwarten, bis ein Amtsarzt kommen kann und den Tod entspr. bescheinigt. Vorher darf an dem Verstorbenen nichts geändert werden, geschweige denn ein Bestattungsunternehmen gerufen werden.
Woher stammt diese Info? Ich habe noch bei keinem meiner verstorbenen Angehörigen einen Totenschein von einem Amtsarzt ausfüllen lassen. Das hat immer ein Allgemeinmediziner oder Notarzt gemacht.

Davon abgesehen haben wir in Deutschland keinen Ärztemangel. Vielmehr findet eine medizinische Überversorgung statt.
Der Fischer.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 02.02.19, 08:34

Hallo,
Angelus Noctis schrieb:

"Davon abgesehen haben wir in Deutschland keinen Ärztemangel. Vielmehr findet eine medizinische Überversorgung statt"- diese Behauptung sollten Sie einmal näher darlegen/belegen.
PS: sind Sie die Frau mit dem Mäuseasyl?
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Christianes Herz
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Re: Weitere Folgen des Ärztemangels

Beitrag von Christianes Herz » 02.02.19, 21:06

Angelus Noctis hat geschrieben:
Christianes Herz hat geschrieben:Die Angehörigen von Verstorbenen müssen immer länger abwarten, bis ein Amtsarzt kommen kann und den Tod entspr. bescheinigt. Vorher darf an dem Verstorbenen nichts geändert werden, geschweige denn ein Bestattungsunternehmen gerufen werden.
Woher stammt diese Info? Ich habe noch bei keinem meiner verstorbenen Angehörigen einen Totenschein von einem Amtsarzt ausfüllen lassen. Das hat immer ein Allgemeinmediziner oder Notarzt gemacht.

Davon abgesehen haben wir in Deutschland keinen Ärztemangel. Vielmehr findet eine medizinische Überversorgung statt.
Hier in NRW ja auch, bis dann in 2016 eben dieses Empfehlungsrundschreiben vom NRW Gesundheitsministerium an alle Notärzte erging, dass es haftungsrechtliche Bedenken gibt. Und (deshalb schrieb ich unter "Folgen des Ärztemangels"), weil eben ein Ärztemangel gegeben ist, gibt es halt ein weiteres Problem des langen Wartens auf einen Arzt, der bescheinigen "darf". Es ist offensichtlich hausgemacht und unüberlegt. Die Notärzteschaft nimmt die Bedenken nunmehr ernst und so ergeben sich die Wartezeiten. Und die Angehörigen fühlen sich erbärmlich. Ich habe nur den Artikel auf Papier. Ein Link auf das Rundschreiben ist mir auch nicht möglich.

Ärztliche Überversorgung stelle ich mir davon abgesehen ganz anders vor.

Frdl. Grüße
Christiane

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