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medizin-forum.de • Thema anzeigen - 6 auf einen Satz?
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 Betreff des Beitrags: 6 auf einen Satz?
BeitragVerfasst: 27.06.16, 19:28 
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Registriert: 27.06.16, 18:58
Beiträge: 7
Guten Abend,
ist es sinnvoll, folgende Arznei jeweils 1x morgens und 1x abends einzunehmen?
Diagnose: diabetische Polyneuropathie und beginnende Parkinson.

Sanguinara D6
Vitamin B Komplex
Amitriptylin 40mg - 3x3 Tropfen
Sulpirid 50mg
Rasagilin 1mg - nur morgens
Gabapentin 300mg

Der Psychiater hat nichts zur Wirkungsweise (was für welche Erkrankung) gesagt, ebenso die Apotheke und mir kommt die Kombination sehr merkwürdig vor.

Ich wäre für eine kurze Info sehr dankbar..
Besten Dank im Voraus


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 Betreff des Beitrags: Re: 6 auf einen Satz?
BeitragVerfasst: 30.06.16, 14:08 
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Registriert: 21.10.06, 19:51
Beiträge: 581
Hallo usker,

das Gabapentin wird gerne bei Polyneuropathien eingesetzt...morgens und abens ist sinnvoll.
Rasagilin wird nur einmal pro Tag gegeben und soll in der Anfangsdosierung den beginnenden Parkinson regulieren.
Nun das Amitryptilin ist ein leicht müde machendes Antidepressivum, das sowohl bei Schlafstörungen (dann aber nur abends) als auch bei Unruhezuständen oder bei Schmerzen eingesetzt wird. Es gibt noch weitere seltenere Indikationen, das kann man erörtern...evt ist zB die Speichelproduktion überhöht...etc.
Das Sulpirid als ebenfalls müde machendes Neuroleptikum kann ich mir bei den beiden genannten Diagnosen auch nicht so richtig erklären. Sollte es schon länger eingenommen werden, dann stellt sich die Frage, woher der beginnende Parkinson kommt.

Vitamin B Komplex...ja, warum nicht. Ist das Gießkannenprinzip, von allem ein bisschen, mit Sicherheit nicht zuviel. Ich persönlich bevorzuge einen Mangel gezielt und hochdosiert zu beheben.
Sanguinara D6. Hitzewallungen? Erkältung...etc? So etwas empfehle ich nur, wenn ich sonst nichts habe, was über den Placebo hinaus wirksam ist.

Grüße Kasi


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 Betreff des Beitrags: Re: 6 auf einen Satz?
BeitragVerfasst: 05.07.16, 19:50 
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Interessierter

Registriert: 27.06.16, 18:58
Beiträge: 7
Herzlichen Dank, >Kasi, für die ausführliche Erklärung. Diese Information hätte man sich vom behandelnden Arzt vorgestellt..

die positiven (gewollten) Wirkungen der einzelnen Medikamente ist logischerweise der Sinne der Anwendung - was ist aber mit den Nebenwirkungen, wenn man bedenkt, dass Rasagilin als Nebenwirkung 'Depression' haben soll? Oder dass man kein Neuroleptikum/AD gleichzeitig nehmen soll? Oder eine mögliche NW 'schwarzer Hautkrebs' genannt wird.

Deshalb die Sorge, ob die Kombination der jeweiligen Arzneien sinnvoll ist.

Wenn Du da auch eine Information für mich hättest..

wäre ich sehr dankbar
Besten Dank im Voraus


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 Betreff des Beitrags: Re: 6 auf einen Satz?
BeitragVerfasst: 17.07.16, 13:26 
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Registriert: 21.10.06, 19:51
Beiträge: 581
Eventuell bin ich wieder zu spät, naja besser als gar nicht:
1. Rasagilin greift natürlich in den Stoffwechsel der Neurotransmitter ein. Wobei Depression eher eine typische begleiterkrankung von Parkinson ist, daher fällt es etwas schwer zu sagen, woher dann eine Depression kommt. Ich bin eher der Ansicht, dass es keine Nebenwirkung ist, die man ursächlich dem Rasagilin zuordnen kann.
Warum? Weil es vom Wirkprinzip sogar eher eine Depression verhindert. Selegilin, die Schwester vom Rasagilin wird daher auch in manchen Ländern bei Depressionen eingesetzt.
2. Auch der schwarze Hautkrebs ist eher unwahrscheinlich dem Rasagilin zuzuordnen. Bei Mäusen gab es zwar Anzischen einer Cancerogenität, aber erst bei Dosierungen, die das 100fache der vergleichbaren menschlichen Dosis entsprach.
Bei Ratten war gar nichts.
3. Neuroleptika werden sehr wohl und sogar sehr gerne mit Antidepressiva kombiniert. Das hat viele Gründe...insbesondere, dass Neuroleptika ein Nebenwirkungsspektrum haben, dass man als Depression bezeichnen kann.
4. Das einzige was an dieser Kombination fragwürdig ist...oder sagen wir besser beachtenswert ist und das hatte ich zuvor schon erwähnt: Ob das Sulpirid schon länger genommen wird und ob es an dem beginnenden Parkinson ursächlich beteiligt ist. Warum? Sulpirid blockiert ein zuviel an Dopamin und Rasagilin befördert Dopamin.
Leider ist das oft nicht verhinderbar das Antipsychotika Parkinson verursachen und andersherum Antiparkinsonmittel Psychosen verursachen können. Daher wird dieser Aspekt in aller Regel auch bei der Medikation beachtet. In seltenen Fällen nicht, daher das klitzekleine Fragezeichen.

Damit keine Missverständnisse entstehen: wenn ich hier von "Psychosen" spreche, dann können das auch leichtere/andere Formen sein wie Unruhe, Agitiertheit etc. sein... Sulpirid wird nicht nur bei "Psychosen eingesetzt.

Das heißt unterm Strich bleibt: keine ungewöhnliche MediKombination.

Grüße
Kasi


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 Betreff des Beitrags: Re: 6 auf einen Satz?
BeitragVerfasst: 21.07.16, 19:21 
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Interessierter

Registriert: 27.06.16, 18:58
Beiträge: 7
Herzlichen Dank, >Kasi, für die Erklärung der Wirkungsweisen der einzelnen Stoffe, sehr aufschlußreich!

Es hat sich mittlerweile herausgestellt, daß die Diagnose 'beginnende Parkinson' offensichtlich eine übereifrige D. gewesen zu sein scheint, denn der gefürchtete Tremor hat sich nicht verstärkt, ist eher zurückgegangen.
Durch die Einnahme von vorerst Amitryptilin + Gabapentin300mg hat sich herausgestellt, daß es offensichtlich eher eine veritable Polyneuropathie (aus Erschöpfung) zu sein scheint. Als erwachsene, mündiger Patient haben wir erstmal die Medikation versucht und siehe da, das anfänglichliche Zittern hat sich zurückgebildet, ist fast nicht mehr vorhanden. Amitryptilin auf 6 Tr abends und Gabapentin 400mg - keine Dosierung morgens - es stellte sich sichtbare Verbesserung ein..

Es war auch irgendwie verwunderlich, denn der Neurologe hat 'nur' ein EKG gemacht und die Nervleitungsmessung an den Beinen - aus diesen beiden Messungen 'Parkinson' zu diagnostizieren, war nun doch etwas suspekt - deshalb die Frage nach dem eingangs erwähnten 'Cocktail'. Zumal bei 'Parkinson' doch noch andere/mehrere Untersuchungen notwendig wären, oder?

Es ist m.A.n. schon verwunderlich, wie bei Neurologen durch Zeitmangel Erkrankungen 'entstehen' können, die durch übertriebene Medikationen 'generiert' werden - wenn man bedenkt, daß hier ein Zustand entstehen kann, der nach bestimmter Zeit dann auch eintritt (Psychosen/Depression)..

Nochmals ganz lieben Dank, daß Du Dein Wissen mit uns geteilt hast..


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