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medizin-forum.de • Thema anzeigen - „Mein Arzt“
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 Betreff des Beitrags: Re: „Mein Arzt“
BeitragVerfasst: 14.10.17, 10:39 
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Beiträge: 6
Christianes Herz hat geschrieben:

Patient hat heute schon genug Mühe, „seinen“ Hausarzt bis zum hohen Alter behalten zu dürfen und dass die neuen Leistungen als Grätsche zwischen Hausarzt und Patient empfunden werden, beunruhigt mich als (hoffentlich) altwerdender Mensch.




Ich finde es notwendig, dass Ärzte, die die beschriebenen Aufgaben übernehmen, in der Lage sind, diese auch auszuführen.
Ohne Fortbildung dürfte das kaum möglich sein und das wäre auch nicht im Sinne der sterbenskranken Menschen.

Dann sollen Sie eben ein Mal (!) zwei Wochen die Praxis schließen.
Schließlich geht auch kein Arzt pleite, wenn er die Praxis aufgrund von Krankheit zwei Wochen schließen muss oder Urlaub hat.

Vertrauen ist wichtig, aber das Können doch auch.

Vielleicht geht es hier mehr um Umsätze, die verlorengehen?


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 Betreff des Beitrags: Dann sollen Sie eben
BeitragVerfasst: 14.10.17, 11:01 
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Beiträge: 6232
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Zitat:
ein Mal (!) zwei Wochen die Praxis schließen.

Und ein Mal (!) für die Fortbildung über Notfallrettung.
Und ein Mal (!) für die Fortbildung über Diabetesbehandlung.
Und ein Mal (!) für die Fortbildung über Drogensubstitution.
Und ein Mal (!) für die Fortbildung zum Einsparen von Antibiotika.
Und...

Es sind immer die Andern, die besser wissen, was der Arzt eigentlich sollte.

Das ist mit ein Grund dafür, dass es Ärzte so, wie Sie sie gern hätten (selbständig und unabhängig im Denken und Handeln), bald nicht mehr existieren.
Was Sie stattdessen kriegen werden, sind Teilzeitjobberinnen im Sechsstundenschichtbetrieb, also jedesmal 'ne andere.
Vom Investor und Arbeitgeber in all den Dingen perfekt fortgebildet, die ihm Gewinn abwerfen.

PR

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 Betreff des Beitrags: Re: Dann sollen Sie eben
BeitragVerfasst: 14.10.17, 11:42 
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Interessierter

Registriert: 17.08.14, 15:39
Beiträge: 6
PR hat geschrieben:
Zitat:
ein Mal (!) zwei Wochen die Praxis schließen.



Es sind immer die Andern, die besser wissen, was der Arzt eigentlich sollte.

PR


Ich, als vielleicht künftiger Patient in solch einer Situation, möchte mich darauf verlassen können, dass der Arzt oder die Ärztin weiß, was er/sie tut, dass ich in kompetenten Händen bin.
Auch dies trägt dazu bei, vertrauen zu können.

Ich habe als Patient mehr als nur ein Mal erlebt, dass Menschlichkeit alleine nicht immer ausreicht, wenn man Hilfe braucht.


PR hat geschrieben:

Das ist mit ein Grund dafür, dass es Ärzte so, wie Sie sie gern hätten (selbständig und unabhängig im Denken und Handeln), bald nicht mehr existieren.




Sie sind nicht in der Lage, zu wissen, wie ich Ärzte gerne hätte.

Selbständig? Ja. Unabhängig im Denken und Handeln? Ja.
Aber das ist nicht alles.
Unabdingbare Voraussetzungen sind für mich: Menschlichkeit, Verantwortungsgefühl und Wissen.
In gewissen Situationen könnte man auf das erstere sogar verzichten, wenn dafür das Wissen überragend ist und man sonst keine Hilfe findet.
In der Palliativversorgung wird eher die Menschlichkeit im Vordergrund stehen.

Das Problem mit manchen Ärzten ist vergleichbar mit dem bei manchen Lehrern, Polizisten, Juristen, Politikern, Psychologen (ja, sogar Psychotherapeuten) und und und..:
Die Kriterien für einen Zugang zum Beruf zielen zu einseitig auf das - voraussichtliche - Können der "technischen" Seite.
Menschlichkeit und Verantwortungsgefühl spielen - wenn überhaupt - nur eine untergeordnete Rolle.

Die Folge sieht man überall - nicht zuletzt auf der "großen Bühne" der Politik (siehe USA und viele andere, auch hierzulande).
Jeder, der nur will und die "technischen" Voraussetzungen erfüllt, darf .... werden.
Und dann beklagt man sich.
Jedenfalls ist das seit einigen Tausend Jahren so.
Vielleicht wird sich das irgendwann in den nächsten paar Tausend Jahren ändern. Möglich ist es.

"Mein Arzt" muss menschlich sein, er muss ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl haben und er muss ein Experte sein.


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 Betreff des Beitrags: Re: „Mein Arzt“
BeitragVerfasst: 14.10.17, 12:57 
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Beiträge: 4709
...und sein "Expertentum" muss er durch ein Zertifikat einer Organisation nachweisen. Das ist wichtig, denn davon leben solche Organisationen. Was der Arzt wirklich drauf hat, spielt doch keine Rolle, Hauptsache Urkunde.

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Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.


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 Betreff des Beitrags: "Mein Arzt muss"
BeitragVerfasst: 14.10.17, 14:55 
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Beiträge: 6232
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Genau !

Und genau deshalb war es prima, ein paar mehr Ärzte am Arbeiten zu haben als zur "Versorgung" à la caisse unbedingt erforderlich, und die Patienten hatten die Wahl. Denn der Arzt des zweiten, dritten und zehntausendsten Patienten im Land "muss" bestimmt noch was ganz Anderes. Garantiert hat meine Nase die letzten vierzig Jahre auch nicht jeder Patientin gepasst.

Doch neigt sich dieser Zustand dem Ende zu. Erstens will den Job "mein Arzt" mit konstanter und kontinuierlicher "Betreuung" keiner mehr ein Berufsleben lang machen. Zweitens wird dieser Job seit zwei Jahrzehnten fortgesetzt politisch diffamiert und ausgehöhlt und verramscht.

Schade dafür. Leute wie zurubu dürfen sich jetzt Gedanke machen, wie sie wohl wieder an Ärzte kommen, die so sind, dass sie ihren Vorstellungen entsprechen.

PR

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 Betreff des Beitrags: Re: „Mein Arzt“
BeitragVerfasst: 14.10.17, 15:41 
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DMF-Moderator

Registriert: 31.01.07, 15:01
Beiträge: 11023
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Guten Tag,
"Mein Arzt" muss menschlich sein, er muss ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl haben und er muss ein Experte sein"- diese Ärzte sind seit geraumer Zeit größtenteils ausgestorben bzw. sind gerade im Begriff, auszusterben. Dieses Urteil darf ich mir erlauben, denn seit 1973 bin ich in diesem Beruf tätig und weiß, wie es in den Praxen der Niedergelassenen und im Krankenhaus aussieht.

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: „Mein Arzt“
BeitragVerfasst: 14.10.17, 16:27 
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Registriert: 17.03.12, 17:21
Beiträge: 78
Danke für Ihre klare offene Aussage, Herr Dr. Fischer.
Sie sind mir zudem bereits vorher durch Ihre fundierten, klaren medizinischen Antworten auf Fragen aufgefallen.

Ihre Aussage entspricht leider meinen Erfahrungen, wie ich sie seit meinem Aneurysma-Aufbruch bei den meisten Ärzten, auch bedingt durch die irrsinige Gesundheitspolitik und die Zustände im Gesundheitswesen machen muss.
Vor meinem Krankwerden habe ich den Arztbesuch möglichst vermieden und war dann doch geschockt, wie die Dinge inzwischen ablaufen.
Und so bemühe ich mich sehr darum, so gesund wie möglich zu leben und mich nicht so sehr von diesen Zuständen beeindrucken zu lassen.


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 Betreff des Beitrags: Re: „Mein Arzt“
BeitragVerfasst: 15.10.17, 08:41 
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Registriert: 04.06.13, 11:38
Beiträge: 766
Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
Guten Tag,
"Mein Arzt" muss menschlich sein, er muss ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl haben und er muss ein Experte sein"- diese Ärzte sind seit geraumer Zeit größtenteils ausgestorben bzw. sind gerade im Begriff, auszusterben. Dieses Urteil darf ich mir erlauben, denn seit 1973 bin ich in diesem Beruf tätig und weiß, wie es in den Praxen der Niedergelassenen und im Krankenhaus aussieht.


Naja, niemand wird sich einen unmenschlichen, unverantwortlich handelnden Arzt wünschen.

Was mich so maßlos ärgert, ist die Tatsache, dass hier gewisse Leute der Meinung sind, man müsse sich diese Attribute erst "cash" erwerben, damit man als Patient darauf ein Anrecht hätte. Längst hat der gesetzlich versicherte Patient nicht wenig Geld dafür abgegeben, ärztlich versorgt zu werden, auch wenn für dieses Geld nur ein Mindestmaß an Versorgung, oft ohne jede Anteilnahme, geliefert werden darf und teilweise in Kanälen versickert, die nicht dem kurativ tätigen Arzt zugute kommen.
Darf man dafür den Patienten mit Wurschtigkeit bestrafen?

Freilich kann man motivierter sein, wenn man selbst als Arzt keine Existenzsorgen hat und ein Mindestmaß an Empathie für seine Patienten mitbringt, aber wo beginnen denn "Existenzsorgen" und wieviel kostet Empathie?
Es gibt eine ganze Menge Rentner, die weniger als 1000 Euro Rente beziehen und sich nicht die geringste unnötige Ausgabe leisten können. Haben diese Leute keinen Anspruch auf "ihren Arzt"?

Mit welcher Intention wird man heute Arzt? Klar, nicht um bei 60 Wochenstunden draufzuzahlen, aber muss man in einer Villa mit 300m² in Golfplatznähe mit bester Infrastruktur leben (und von den Patienten bezahlen lassen, damit man "menschliche" Züge gewinnt)?

Lassen Sie mich an der Stelle noch einmal an die hier so genannte "Vorzeigeärztin" aus Altenstadt/Iller erinnern, eine gute Freundin von mir, die mehr als zufrieden lebt und sehr wohl zu Wohlstand gekommen ist. Sie wohnen nicht weit von Altenstadt entfernt und können sicher bestätigen, dass es dort sehr ländlich zugeht.
Trotzdem hat sie ihr Auskommen, zusammen mit 2 weiteren Allgemeinärzten, die dort praktizieren.


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 Betreff des Beitrags: wieviel kostet Empathie ?
BeitragVerfasst: 31.10.17, 23:32 
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Beiträge: 6232
Wohnort: Lörrach
Prima Frage, Barnie.

Die kost nix. Auch bei mir nicht. Drum ist sie (in) diesem System auch nix wert.

Blöder Weise kriegt man das erst zu spüren, wenn man Empathie mal richdich nötig hätt.

Aber vorher halt nicht, weil man da noch dem "guten" Marketing auf den Leim geht.

Blöd, was ?

PR

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