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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Die Bürgerversicherung - ein Witz
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 Betreff des Beitrags: Die Bürgerversicherung - ein Witz
BeitragVerfasst: 08.12.17, 18:59 
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Das Witzigste an der sogenannten Bürgerversicherung ist,

dass auch heute niemand in der SPD in der Lage ist, zu sagen, was darunter denn genau zu verstehen wäre, auch der Fliegenkalli nicht.

Jedenfalls so genau, dass sich aus dem ideologischen Konzept B.V. unmittelbar Gesetzestexte ableiten ließen, die auch nur irgend eine Chance hätten, durchs Parlament zu gehen u n d auch noch grundgesetzkonform zu sein.

Alles, was die SPD zum Thema zu lesen gibt, steht im Komparativ, und aus der Sicht der betroffenen Bürger hat sich in ähnlichen Versuchen auf der Welt nichts vom behaupteten "besser !", "gerechter !" jemals als wahr erwiesen.

Die politischen Aussagen der SPD zur sog. B.V. sind nicht evidence based und am Ende bloß ein Witz.

Da geht mir doch der Zeigefinger von selber ans Unterlid. Zum Schlechtewitzemachen haben wir diese Politfiguren denn doch nicht gewählt.

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BeitragVerfasst: 08.12.17, 19:49 
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Rein prophylaktisch weise ich darauf hin, dass ich weit von Ihrer Position entfernt bin, auch wenn ich mich im anderen Strang darüber ausließ, dass die BV alleine ganz sicher nicht reicht.

Aber sie ist ein Anfang, in die richtige Richtung zu denken und zu lenken. Ich hoffe nur, dass die SPD genug @rsch in der Hose hat, dieses eine Mal eine echte Reform auch durchzuziehen.
Ich glaube, der Schulz ist wütend genug, den Bürger in den Vordergrund zu stellen und nicht nur davon zu schwadronieren wie die CXU und die AfD-Schwachmaten. Es müsste mir mal einer von den Pharma-Unterhändlern ein geschreddertes Exemplar eines Gesetzentwurfes unter die Nase halten...... :evil:

Alles ist besser als der derzeitige Zustand. Ihre Maulburger geben mir da sicher recht.


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 Betreff des Beitrags: Die einen Bürger sind satt genug,
BeitragVerfasst: 08.12.17, 20:02 
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den Schulz für eine Witzfigur zu halten, das sind die Westler.

Die andern Bürger sind wütend genug, den Schulz für eine Witzfigur zu halten, das sind die Östler.

Der Mann kann Europa. `schland kann er nicht. Und was denn eine "Bürgerversicherung" genau sein sollte, das weiß der noch weniger als die "Indiefresse"- Tante.

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BeitragVerfasst: 08.12.17, 23:58 
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Im Große Koalitions Faden hat Dr. Fischer geschrieben, dass es durchaus Unterschiede gibt zwischen privat und gesetzlich. Wenn Arzt das dem Patienten auch sagen würde, würde Letzterer nicht so auf die Idee der Bürgerversicherung hüpfen. Der glaubt doch, dass eine gesetzliche Krankenkasse das zahlt, was er „braucht“. Diese Plattitüden sind erfolgreich durchgedrungen. Ein, zwei ehrliche Worte des Arztes zur Behandlung seiner Kassenpatienten wären Gold wert (gewesen).
So wird die Bürgerversicherung bei uns Laien gleichgesetzt mit Gute Versorgung ohne Ausnahmen für Besserverdienende. Die Linke hat es so ähnlich im Programm, aber nicht die SPD.
Die SPD will alles: Privat soll bleiben, aber privat soll raus aus privat d ü r f e n und in die gesetzlichen rein k ö n n e n.
Rücklagen? Ja da wollen die gesetzl. Krankenkassen nicht mitspielen. So würden ja nur die Alten und schwer/chronisch Kranken aus den privaten in die gesetzlichen wechseln. Das wird teuer. Erst wird die Verfassungsjustiz bemüht. Also das dauert noch 100 Jahre oder so.
Witz? Auch. Zumindest eine Vereimerung unserallerseits.

Grüße
Christiane


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BeitragVerfasst: 09.12.17, 12:09 
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Christianes Herz hat geschrieben:
Der glaubt doch, dass eine gesetzliche Krankenkasse das zahlt, was er „braucht“.


Das kann ich nicht bestätigen. Die Zeiten sind längst vorbei. 9 von 10 meiner Kunden regen sich darüber auf, dass die Glaukom-IGeL selbst bezahlen müssen, dass es nichts mehr zur Brille dazugibt und dass man kaum mehr bei einem Augenarzt unterkommt, weil dieser Privatpatienten bevorzugt.

Der Unmut wächst bei den Leuten, der Respekt und das Vertrauen gegenüber (Augen-)Ärzten sinkt ins Bodenlose...., ein gefundenes Fressen für die AfD-Schwachköpfe.

Man kann den Leuten auch nicht wirklich erklären, dass die eigentlichen Verbrecher wo ganz anders zu verorten wären...., bei den Krankenkassen einerseits und bei der Politik andererseits.
Es kehrt sich ja alles zum Besten, wenn Leute wie Höcke oder Gauland "die Merkel jagen" :evil: :evil: :evil:


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BeitragVerfasst: 09.12.17, 13:25 
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, lange bevor die so hieß, liegt jetzt dann 20 Jahre zurück.

Anlass war der Wunsch der SPD nach mehr "Gerechtigkeit". Schon damals hieß es, man müsse dazu ja bloß die Private KV "abschaffen", dann gingen schon alle von selber in die Entsetzliche KV. Schon damals war klar, dass sowas eine Enteignung darstellen würde und damit grundgesetzwidrig wäre. Schon damals war klar, dass sowas die Statuten des Berufebeamtentums umschmeißen würde. Schon damals war klar, dass ohne Querfinanzierung weder ein flächendeckendes ambulantes noch ein dto. stationäres Gesundheitswesen aufrecht zu erhalten wäre.

Nichts , überhaupt gar nichts hat sich getan in der SPD, die Fakten sind alle dieselben geblieben, die Forderungen sind alle die selben geblieben, die Argumente sind alle die selben geblieben. Die SPD hat in der Zeit nichts dazugelernt.

Ich möcht sie jetzt auch nicht durch die Hintertür an der Regierung sehen.

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BeitragVerfasst: 09.12.17, 22:20 
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dass kranke Kasse WANZ zahlt und zwanzig Stunden Sprechstunde pro Woche, und sonst nix,

dann springt hier erst mal ein schwäbischer Augenoptikermeister im Viereck, kriegts am End noch am Herz, oder einen manischen Schub.

Und schmeißen sofort kranke Kassen am schon lange nicht mehr rechtsfähigen Ende ihrer Körperschaft, das sich dann gemeinhin "Wissenschaftliches Institut" nennt, (zB. das WIdO), ihre Computer an, und füttern sie mit "Routinedaten", die sie dank Schmulla Schmidt straflos aus Arztpraxen gestohlen haben und weiterhin stehlen. Mit dem schon vorher bekannten Ergebnis, dass WANZ eben WANZ ist, und sonst nichts.

Sie sehen, Christiane, das Schweineystem funktioniert, ah, oh, kaka.

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BeitragVerfasst: 10.12.17, 13:08 
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Zitat:
Wenn Arzt das dem Patienten auch sagen würde, dass kranke Kasse WANZ zahlt und zwanzig Stunden Sprechstunde pro Woche, und sonst nix,dann springt hier erst mal ein schwäbischer Augenoptikermeister im Viereck, kriegts am End noch am Herz, oder einen manischen Schub.


Also ich kenn hier nur einen badischen Augenoptiker, der regelmäßig dann im Viereck springt, wenn Ärzte die Patienten als Geiseln benützen, weil sie nicht den Schneid haben, über belanglose Foren hinaus ihren Unmut über die Zustände zu äußern, die über mieseste Honorare und Arbeitsbedingungen schwadronieren, aber "ethisch" belastbar genug sind, mit Tiefentherapien bei PKVlern, AWBn und unnötigen IGeln einen weit überdurchschnittlichen Lebenswandel bei meist unterdurchschnittlichen Arbeitszeiten zu bezahlen.

Soweit ich ihn kenne, springt er darüber hinaus dann im Viereck, wenn ohne jede Differenzierung ein Weltuntergangsszenario gemalt, das zu einem guten Teil aus einem überzogenen, völlig unangemessenem und überholten Anspruchsdenken resultiert, mit dem man Land und Leute zu erpressen versucht.
Golfplatz gegen Gesundheitsversorgung könnte man die Formel nennen.

Dass die Basishonorare in bestimmten Fachbereichen eine Frechheit sind, streitet dieser sym-badische Optikermeister nicht mal ab, aber Arbeitskampf auf dem Rücken der Patienten ist primitiv, respektlos und verstößt gegen die Berufsordnung.
Die Ärzte sollten sich um ihre Selbstverwaltung und ihre KVen kümmern, wenn sie sie schon nicht abschaffen möchten, der Bürger kümmert sich derweil per Stimmzettel um die Politiker.
Ha'm wir alles richtig gemacht, dann stimmen Ihre Honorare und unsere Kassenbeiträge.


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BeitragVerfasst: 10.12.17, 14:35 
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Ich wiederhole mich ungern, aber die KV kann nicht von "den Ärzten" abgeschafft werden, und auch nicht von den KrankenKassen. Die KV kann ausschließlich durch Gesetz abgeschafft werden.

So, und jetzt finden Sie mal eine Partei (eine einzige!), die ein schlüssiges System zur Gesundheitsversorgung hat, das frei von ideologischen und Lobbyinteressen ist und die Patienten nicht nur als unerwünschtes Übel ansieht. Die wähl ich dann gerne auch.

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BeitragVerfasst: 10.12.17, 16:34 
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Humungus hat geschrieben:
Ich wiederhole mich ungern, aber die KV kann nicht von "den Ärzten" abgeschafft werden, und auch nicht von den KrankenKassen. Die KV kann ausschließlich durch Gesetz abgeschafft werden.


Ja, wir hatten letztens darüber gesprochen. Aber ich stelle fest, soweit ich mich mit Ärzten unterhalte, dass da bei den meisten kein Handlungsbedarf zu bestehen scheint.., will heißen, dass die meisten kein Problem damit haben, wie hier von bestens bezahlten Funktionären die Ärzteschaft verwaltet wird.
Daraus schließe ich, dass die meisten eine Selbstverwaltung gar nicht abschaffen möchten. Würde man das geschlossen wollen, so wäre auch genug Druck aufzubauen, das einschlägige Gesetz zu ändern.

Überhaupt ist das Gejammer "draußen" nicht in diesem Maße wie hier im Forum zu vernehmen.
Ich spreche eigentlich jeden Arzt, den ich aufsuche(n muss), auf die Verhältnisse an, aber auch wenn keiner in Freudentaumel ausbricht, weil er den Kassenknecht machen muss, haben sich doch alle mit den Gegebenheiten arrangiert und kommen bestens zurecht.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich langweile, will ich kurz aufzeigen, wie wir - also die Geröllheimers - mit Kassenschikanen umgehen, die uns binnen 1 Woche eine Entscheidung darüber abverlangen wollten, ob man zu neuen (Präqualifizierungs-)Konditionen weiterhin Vertragslieferant bleiben möchte oder nicht.

DIE KÖNNEN BEI UNS GEPFLEGT DEM ANGEBOT DES GÖTZ VON BERLICHINGEN NACHKOMMEN!!!!

Verträge über die Abgabe von Kontaktlinsen haben wir schon lange nicht mehr und nun sollen wir uns, trotz Begehung und Ladenabnahme, alle 20 Monate bzw. alle 5 Jahre (darüber und über andere Details der neuen Regelung streiten noch die zuständigen Herrn vom Bund mit den Kollegen vom Land!!) kostenpflichtig zertifizieren lassen um bei ein paar Kindern und bei 2% der Kundschaft, die über 6dpt benötigt, ein paar Peanuts mit den Kassen abrechnen zu dürfen, sofern man bereit ist, Dienstleister zu bezahlen, die die Rezepte maschinenablesbar für einen abrechnen. Allein schon die Unverschämtheit, eine Zahlungspflicht nicht bei erbrachter Leistung anzuerkennen, sondern von der Art der Rechnungsstellung abhängig zu machen, ging mir gewaltig gegen den Bürstenstrich. Aber ich habs geschluckt und bezahle seither das DMRZ.

Aber jetzt ist Schluss mit lustig!!
Geht' s eigentlich noch? Hier versucht ganz klar, der Schwanz mit dem Hund zu wedeln. NICHT MIT UNS! Uns geht es nicht um die Festbeträge, die für uns sowieso Durchlaufposten sind, es geht uns um die Schikanen und den selbstherrlichen Umgang mit uns und den anderen Leistungserbringern, inkl der Ärzteschaft!

Setzen Sie doch endlich auch ein Zeichen!
Warum machen Sie das nicht auch so, wenn Sie so gebeutelt sind als Kassenärzte? Wie "pleite" Sie gehen können, sieht man an dem bewussten Speyerer Arzt, der hier schon mehrfach Thema war. Vielleicht werden Sie ihr Personal nicht behalten können und vielleicht werden Sie kleinere Praxisräume anmieten und länger selbst arbeiten müssen..., es geht auch nicht unbedingt um eine Dauerlösung als Privatarzt, sondern zunächst nur mal um das Signal von Ihnen an die Adresse der Kassen und der Politik.

Machen Sie sich frei, nicht zuletzt vom Knebel der GOÄ. Im Elsass gilt die GOÄ nicht, oder? In Budapest gilt die GOZ nicht, oder?
Der Kleine (Leistungserbringer) wird dem Großen zum Fraß vorgeworfen. Es kann nur die Lösung geben, entweder besser oder billiger zu sein. Beides haben Sie selbst in der Hand.


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BeitragVerfasst: 10.12.17, 18:15 
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Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Aber ich stelle fest, soweit ich mich mit Ärzten unterhalte, dass da bei den meisten kein Handlungsbedarf zu bestehen scheint.., will heißen, dass die meisten kein Problem damit haben, wie hier von bestens bezahlten Funktionären die Ärzteschaft verwaltet wird.
Die meisten Niedergelassenen denken nur an eines: ihre eigene Praxis. Zu politischen Aktionen sind sie erst dann zu bewegen, wenn es ihnen selber an den Kragen geht. Das weiß die Politik, das wissen die Kassen, das weiß die KV. Und deshalb wird den Ärzten immer wieder ein Zückerchen verabreicht, damit der Unmut nicht zu groß wird. Das kann man schön bei der Einführung der eGK sehen, als die Lesegeräte in den ersten Monaten massiv gesponsort wurden. Wer da zugriff, hat vierstellig gespart. Dass das Geld von den Ärzten selber kam (denn die KV hat nur dieses Geld zum Ausgeben), war doch egal. Hauptsache eigene Praxis hat gespart. Das ist auch der Grund für den Hamsterradeffekt bei fallenden Honoraren pro Punkt: machen wir einfach schneller. Dass man sich dabei ins eigene Fleisch schneidet - egal. An PR sieht man einen Leidenden des Systems: er kriegt seine Praxis nicht mehr los. Bis vor 10 Jahren war das undenkbar, jeder Niedergelassene hätte bei der Vorstellung gelacht. Vor Gericht galt der Praxiswert offiziell als Altersversorgung. Darum auch durften Praxissitze nur bei schwerwiegenden Gründen gelöscht werden.

Und heute? Wir suchen auch einen Nachfolger, und? Null Interesse. Der Nachwuchs hat andere Ideen. Teilzeit, kein Risiko, keine 50-60-Stunden-Woche. Dienste? Gerne, aber bezahlt und mit Freizeitausgleich. Und das Risiko einer Niederlassung gehen immer weniger Leute ein.

Zitat:
Ich spreche eigentlich jeden Arzt, den ich aufsuche(n muss), auf die Verhältnisse an, aber auch wenn keiner in Freudentaumel ausbricht, weil er den Kassenknecht machen muss, haben sich doch alle mit den Gegebenheiten arrangiert und kommen bestens zurecht.
Die Alternative wären aufwändige Einzelverträge mit jeder KrankenKasse. Ich erlebe bei den IVOMs, wie komplex das wird. Der Bürokratiewust explodiert, und weil auch noch jede Kasse etwas ein klein wenig anders will als die andere, muss man bei jedem Patient und bei jeder Behandlung fürchterlich aufpassen.

Zitat:
Geht' s eigentlich noch? Hier versucht ganz klar, der Schwanz mit dem Hund zu wedeln. NICHT MIT UNS! Uns geht es nicht um die Festbeträge, die für uns sowieso Durchlaufposten sind, es geht uns um die Schikanen und den selbstherrlichen Umgang mit uns und den anderen Leistungserbringern, inkl der Ärzteschaft!
Ich schätze den Kassenanteil bei Ihren Einnahmen auf 10-20 Prozent. Bei mir ist er 80-90 Prozent. Das heißt, dass ein Verzicht auf Kassenzulassung heutzutage schwerwiegend ist und in einer ländlichen Region nicht geschultert werden kann. Alle Ärzte müssten mitmachen, aber: siehe oben. Außerdem würde die KV massiv gegensteuern und die Streikbrecher mit fetten Honoraren bei der Stange halten.

Nehmen wir einen Glaukompatienten, der nur ein Medikament braucht. Wenn man den jedes Quartal sieht, würde er dafür schon mindestens 50 Euro zahlen. Für das Medikament das Gleiche. Heißt: anstatt 10 Euro Rezeptgebühr zahlt dieser Patient pro Quartal 100 Euro. Ich kann mir gut ausmalen, was viele Patienten sagen: "Naa, do geh I zum anderen!"

Noch schwerwiegender wäre es bei schwer chronisch Kranken. Eine Glaukomtherapie kann auch mal 200 Euro im Quartal kosten, von Laserbehandlung und OP mal ganz zu schweigen. Und: alles ambulant, da griffe keine stationäre Zusatzversicherung. Eine Gleitsichtbrille für 500 Euro, da klagt man, aber man weiß, dass die drei bis fünf Jahre hält, vielleicht auch länger. Da besteht ein erheblicher Unterschied.

Zitat:
Machen Sie sich frei, nicht zuletzt vom Knebel der GOÄ. Im Elsass gilt die GOÄ nicht, oder?
Soll ich jetzt ins Ausland ziehen? :mrgreen: So einfach geht es nicht. Ich zitiere mal §1 Absatz 1 GOÄ:
"Die Vergütungen für die beruflichen Leistungen der Ärzte bestimmen sich nach dieser Verordnung, soweit nicht durch Bundesgesetz etwas anderes bestimmt ist."

Das heißt: Ärzte, die in Deutschland praktizieren, müssen privat nach GOÄ abrechnen.

Und der Knaller ist: sollte die GOÄ fallen bzw. die Gebührensätze, was längst geplant ist, wird sich zeigen, wie Privatleistungen laufen. Unter Garantie schlechter als heute. Und das heißt: Niederlassung wird noch unattraktiver.

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BeitragVerfasst: 10.12.17, 18:19 
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dass ich wg. Rente seit 01.10. ohne Kassenzulassung und ohne Personal bin, und derzeit noch ein paar Tage lang damit beschäftigt, mein Kleinstgewerbe abzuwickeln,

da sich von den innerhalb eineinhalb Jahren hier gewesenen 11 Interessentinnen + 1 Interessenten schlussendlich niemand bereit gefunden hat, meine im zentralst (neben Rathaus) gelegenen Ärztehaus befindliche gynäkologisch-geburtshilfliche Fachpraxis (Einzelpraxis mit locker Platz für 2 Ärzte) und vergleichsweise hohem Privat-Anteil (wenngleich fast ohne IGeL) geschenkt zu übernehmen und vor Ort fortzuführen.

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BeitragVerfasst: 10.12.17, 18:46 
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PR hat geschrieben:
...geschenkt zu übernehmen
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: fertige Infrastruktur, bestehender Sprengel, fertige Organisation. Nur noch Inventar gebraucht übernehmen oder klein neu kaufen und später erweitern. Was will man denn noch?

Was müssen diese Kollegen befürchten, wenn sie sich nicht mehr in ein nahezu gemachtes Nest setzen wollen?

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BeitragVerfasst: 10.12.17, 20:39 
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Ganz einfach: die staatlich verordnetene Zwangskörperschaft, die da "Kassenärztliche Vereinigung" heisst. Mit der will niemand mehr zu tun haben, der einmal begriffen hat, wie sie arbeitet, und wofür sie da ist. Keine der interessierten Kollgeginnen wollte mein "Kassenprivileg" (Zulassung zum Vertragsarzt der gesetzlich kranken Kassen) haben. Alle wollten sie bleiben, wo sie sind, und weiter als angestellte Fachärzte irgendwo arbeiten, wo es nicht unbedingt Golfplätze oder Opernhäuser gibt, aber einen fertig eingerichteten Arbeitsplatz, einen Tarifvertrag, eine gewerkschaftliche Vertretung, Möglichkeit zu beliebig kleinteiliger Teilzeitarbeit u n d damit Planungssicherheit für das Nebeneinkommen ihrer Familien. Deren Haupteinkommen wird eh meist von den Ehemännern erzielt, denn deren Mehrheit arbeitet in der Pharma hier um die Ecke.

Denn die sogenannte Kassenärztliche Vereinigung ist eine Behörde, die einem Kassenarzt vor Vertragsabschluss erklärt: "fahren Sie doch unbedingt Ihre Lebensversicherung/en herunter, sonst sind Sie völlig überschuldet. Sie brauchen sie nicht. Wenn Sie mal aufhören, haben Sie ja eine Praxis zu verkaufen, und das reicht für die Rente."
Und die einem Kassenarzt bei Vertragsende erklärt: "Sie hatten doch gewusst, dass Sie zusätzliche Einnahmen generieren müssen. Der Verkaufspreis Ihrer Praxis ist null, denn sie hat (bei mittig durchschnittlichen Fallzahlen) über Jahre hinweg kein Oberarztgehalt abgeworfen. Sie dürfen sie nur verschenken."

Das Ganze hat 25 Jahre lang funktioniert dank meiner Hauptsponsorin. Die war Landesbeamtin mit zuletzt A 16 und hat die meiste Zeit so viel mit nach hause gebracht wie ich. Dies sind Fakten, die mein Steuermensch immer mal wieder erstaunt zur Kenntnis nehmen durfte.


Die Kollegen hätten also befürchten müssen, von einem durch und durch verlogenen System hinters Licht geführt zu werden, und das wollten sie nicht.

Ich bin bei Übernahme meiner Praxis vom Vorgänger nicht hereingelegt worden. Und hab drum jetzt auch keinen der Interessenten für meine Praxis hereinzulegen versucht. Also wird mein Kleinstgewerbe jetzt ersatzlos gestrichen und aufgelöst, und das "Kassenprivileg" verfällt.

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Zuletzt geändert von PR am 10.12.17, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 10.12.17, 21:11 
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Ja, ich gebe zu, dass die Kassen glauben, mit einem machen zu können, was immer sie wollen. Wenn man tatsächlich "80-90%" der Umsätze mit Kasse macht, hat man natürlich ohne auch keine Chance.

Aber verzeihen Sie, Humungus, das glaube ich nicht. Ich meine mich erinnern zu können, dass Sie selbst mal in einer Antwort auf von mir vorgerechneten 11% PKV-Patienten multipliziert mit dem 2,3fachem GOÄ-Satz, folglich ca. 30% Ihrer Umsätze mit Privatversicherten machen, schrieben, dass es 40 oder sogar mehr Prozent seien.
Das kann ja für Ihre Kollegen durchaus auch stimmen, denn die Einnahmen durch IGeL und die "Therapietiefe" kommen ja noch hinzu. Und nicht selten verlangt man auch den 3,5fachen Satz...

WENN man also 40% oder mehr Anteil am Umsatz von Privatzahlern erhält, dann kann man m.E. sehr wohl auf die Kasse pfeifen, denn eine gesundgeschrumpfte Praxis erzeugt auch viiiiel weniger Kosten! Es würde mich sehr wundern, wenn es sich nicht rentieren würde, der Kasse die Rote Karte zu zeigen! Siehe Speyer!

Mit dem Auslandsbeispiel hab ich selbstverständlich nicht gemeint, dass Sie im Ausland praktizieren sollen (obwohl das ja für junge Ärzte auch eine Option darstellen könnte), sondern dass womöglich PRs persönliches Problem darin zu suchen ist, dass er sehr in Grenznähe praktiziert hat und es die Leute vielleicht vorziehen, sich lieber im Elsass oder der Schweiz behandeln zu lassen, so wie es viele zum Brillenkauf in die Türkei ode nach Thailand, zur Kur nach Tschechien und zum Gebiss-Richten nach Ungarn treibt.

Die KV ist für alle diesselbe..., warum sollte es ausgerechnet in Maulburg oder Lörrach besonders unwirtschaftlich sein, als Allgemeinarzt bzw. als Frauenarzt zu arbeiten??
Das ist doch unlogisch und mir deucht, dass an der Geschichte etwas faul ist.., sei es, dass das Ausland tatsächlich billiger oder besser behandelt oder die KV für den Arztsitz zu viel Geld verlangt o.ä.


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