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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Marktwirtschaft und Wohlbefinden
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 Betreff des Beitrags: Marktwirtschaft und Wohlbefinden
BeitragVerfasst: 14.02.17, 12:07 
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Ich muss ein bissel ausholen:
Mr. Spex, ein Online-"Optiker", weist in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2016 ein Minus von 4,63 Mill. Euro aus. Das Unternehmen hat noch nie eine Rendite abgeworfen, wächst aber unaufhörlich. Im Jahr 2016 hat der Umsatz bei ca. 60 Mill. gelegen, nach Steuern erwirtschaftete man die o.g. Miesen.

Welcher Investor kann das so lange durchhalten? Und warum hält man es durch, investiert und schießt in eine Unternehmung nach, die sich offensichtlich trotz steigenden Marktanteils nicht rechnet? Will man die Mitbewerber aus dem Feld schlagen?
"Specki", wie wir liebevoll sagen, kann trotz "Partneroptikern" vor Ort offenbar nicht genug tragbare Sehhilfen liefern und hat eine riesige Rückläuferquote (53% Wareneinsatz!!).
Er ist nur interessiert am Standard-Kunden mit niederen Glasstärken, der allenfalls bei Modefragen anspruchsvoll ist, aber Zentrierfehler der Gläser in Kauf nimmt.
Unser Verband, der ZVA, erklärt die Unvergleichbarkeit der Waren und Dienstleistungen damit, dass beim Optiker vor Ort individuelle Daten erhoben würden, die ein Specki überhaupt nicht berücksichtige. Das stimmt zwar, ist aber leider nicht überall bei den Kollegen der Fall, was unseren Ruf nachhaltig schädigt. Doch es scheint vielen Durchschnittskunden auch völlig egal zu sein, ob eine Brille korrekt und sinnvol ist, Hauptsache, man hat seinen Modeartikel mit dem "Reibän"-Schriftzug am Bügel.

Und was hat das jetzt alles mit Gesundheitspolitik und Ärzten zu tun?

Ich sehe hier auffällige Parallelen zur Entwicklung in der Heilkunde, den "Betriebswirten" in der Klinikleitung, den MVZn und der Zerschlagung jeder Individualität. Ich sehe aber auch diesselben Fehler, die meine Kollegen machen, wenn sie versuchen, auf diese Entwicklung zu reagieren.
Jeder Versuch, bei vollem Portfolio, aber minimalsten Erlösen die Qualität hochzuhalten, muss auf Dauer scheitern. Es wird also nichts anderes übrig bleiben, als sich zu spezialisieren. Standardfälle werden uns vermutlich unaufhaltsam verlorengehen. Die AMD behandelt der Arzt, eine Refraktion wird der Optiker durchführen, die Brille wird im Internet bestellt, die Eierstockzyste behandelt der Gynäkologe, aber Geburtshilfe leistet die Hebamme und Unterleibsbeschwerden der Heilpraktiker.

Solange marktwirtschaftliche Überlegungen im Gesundheitswesen gelten müssen, wird es nicht für jeden Wohlbefinden geben können.


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 Betreff des Beitrags: Barnie, im Umgang mit kranken Kassen
BeitragVerfasst: 15.02.17, 00:36 
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hab jedenfalls ich in nunmehr 25 Jahren "Niederlassung" festgestellt,

dass inbezug auf die Ausgaben medizinischer "Leistungserbringer" eine mit staatlicher Hilfe zunehmend monopolisierte raubtierkapitalistische Wirtschaft existiert,

und inbezug auf deren Einnahmen die jämmerlichste aller denkbaren Planwirtschaften - die staatsmonopolistische.

Hab mehr und mehr den Eindruck, dieses Schwachsinnssystem wartet bloß drauf, vollends zusammenzubrechen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Marktwirtschaft und Wohlbefinden
BeitragVerfasst: 15.02.17, 11:09 
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Die Rolle des Arztes wird sich wandeln. Der empathische und sachkundig helfende Beistand einer Person mit Beschwerden ist ein Auslaufmodell. Leider möchte ich persönlich hinzufügen.
Das hat freilich Ursachen. Einmal möchte und kann (!) nicht jeder für Empathie in Form von aufmerksamer Zuwendung und Zeitaufwand bezahlen, sondern ein Rezept für ein Medikament und fertig ist die Laube und zum Zweiten müssen Ärzte mehr denn je kaufmännisch denken, was sich freilich auch beim besten Bemühen um den Patienten auswirken muss. Warum sollte ein vom Niedergelassenen mit Termin- und (Nicht-)Behandlungsschikanen traktierter Patient ein MVZ fürchten? Schlechter kann er doch ohnehin kaum mehr versorgt werden!

Wenn wir die Entwicklung einfach mal akzeptieren, stellt sich die Frage, wie man darauf reagieren kann. Das ist der Sinn dieses Stranges. Immerhin scheinen im Gegensatz zu "Specki" die privaten Klinikbetreiber ca. 3-3,5% Gewinn zu erwirtschaften, was aber dem Investor auch nur so lange reicht, solange es keine lukrativeren Geldanlagen gibt. Man stelle sich vor, welcher Druck auf das Personal (und damit auf die Patienten) ausgeübt wird, wenn es für Anleger mal interessanter wird, z.B. in Getreide zu investieren?!
Wenn E. v. Hirschhausen recht hätte und sich ca. 40% aller Behandlungsfälle mittels Placebos versorgen ließen, dann wird dem Arzt in der heutigen Form die "Kundschaft" genauso davonlaufen wie uns Optikern die Standardkundschaft, denen die Ware vom Online-Kollegen gerade noch ausreicht.
Der Arzt hätte dann "nur" noch die wirklich bedrohlich Kranken zu versorgen, müsste dafür aber auch anständig bezahlt werden. Wir als Optiker-Ehepaar haben längst unser Portfolio zusammengestrichen, bieten schon lange weder Wetterinstrumente noch Mikroskope oder Ferngläser an und haben jetzt auch Kontaktlinsen und deren Pflegemittel aus dem Programm genommen...., alles Verlustgeschäfte!

Gerne lese ich aber auch andere Vorschläge, wie man sich als niederlassungswilliger Arzt den Veränderungen im Gesundheitswesen stellen möchte.


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 Betreff des Beitrags: ... schreib ich doch schon lang:
BeitragVerfasst: 15.02.17, 13:06 
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die Leute werden die Ärzte kriegen, die sie v e r d i e n t haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Marktwirtschaft und Wohlbefinden
BeitragVerfasst: 15.02.17, 15:18 
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Ja, das schreiben Sie eigentlich schon immer, aber warum sollten die Leute die Sorte Ärzte "verdienen", die Sie befürchten?
Die meisten Leute sind PFLICHTmitglieder der "kranken Kassen" wie Sie PFLICHTmitglied in ihren Berufsverbänden sind. Ich kann Ihnen versichern, dass kaum einer meiner Kunden Verständnis dafür zeigt, dass man einen Augenarzt mit 20 €/Vj. abspeist.


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 Betreff des Beitrags: Berufsverbände - Zwischenspiel
BeitragVerfasst: 15.02.17, 19:33 
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losgelöst von der übrigen Diskussion

Sie meinen die Zwangskörperschaften "Kassenärztliche Vereinigung" und "Landesärztekammer".
Das sind keine "Berufsverbände" sondern von ihren Zwangsmitgliedern zwangsfinanzierte staatliche Behörden mit Wurzeln im Nationalsozialismus. Beide dienen dazu, die (im Wesentlichen Sozial-)Gesetzgebung des Bundes und der Länder gegenüber ihren Zwangsmitgliedern mit staatlicher Gewalt durchzusetzen.

In Berufsverbänden bin ich freiwilliges Mitglied.

Leider sind die Berufsverbände personell weitgehend mit den Zwangskörperschaften verflochten und verfilzt, der (von seiner Mitgliederbasis) um Lichtjahre entfernte Multifunktionär ist die Regel. Mit dem Henke als "Gewerkschafts"vorsitzendem hat der Staatsfilz einen neuen Höhepunkt erreicht. Eine ganz abartige Sonderrolle spielt die Bundesärztekammer samt Präsi Montgomery, die nichts weiter ist als eine Arbeitsgemeinschaft der Landesärztekammern und als nicht rechtsfähiger und nicht eingetragener Verein verfasst - jedoch seit Jahren mit Versicherungen und Beihilfestellen (!) eine neue Gebührenordnung "verhandelt". Ich bin nach wie vor überzeugt, dass Montgomery niemals dazu mandatiert worden ist. Über die Ergebnisse der "Verhandlungen" hat er vielfach gelogen, folgenlos die Beschlüsse von Deutschen Ärztetagen ignoriert und zusammen mit dem Boss (Reinhardt) eines Hausarztverbandes die deutsche Ärzteschaft, hinters Licht geführt und ihre Interessen an die Versicherungswirtschaft verkauft.

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 Betreff des Beitrags: Re: Berufsverbände - Zwischenspiel
BeitragVerfasst: 16.02.17, 10:00 
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PR hat geschrieben:
Sie meinen die Zwangskörperschaften "Kassenärztliche Vereinigung" und "Landesärztekammer".
Das sind keine "Berufsverbände" sondern von ihren Zwangsmitgliedern zwangsfinanzierte staatliche Behörden ..


Ja, die hatte ich gemeint. Und das sind doch Organe der Selbstverwaltung, die z.B. keine Optiker oder Schuster aufnehmen, oder?

Nochmals meine Frage: Warum "verdienen" die Versicherten die zukünftigen Ärzte?


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BeitragVerfasst: 16.02.17, 23:24 
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oder ?

Aber so in 25 Jahren hab ich schon den Eindruck gewonnen, dass die kranken Kassen den Patienten eine Freibiermentalität gegenüber den Ärzten nahegelegt, und folgerichtig nicht wenige Patienten auch immer gern mitgenommen haben, was beim Arzt halt so zu holen ist. Ich red jetzt nicht von Wartezimmerzeitschriften, Klopapier und Slipeinlagen...

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 Betreff des Beitrags: Re: Marktwirtschaft und Wohlbefinden
BeitragVerfasst: 17.02.17, 00:54 
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Jetzt kippt es aber bald ganz und gar ins Gegenteil:
http://www.kbv.de/html/26979.php
Ein Arztinformationssystem also, wenn ich es richtig lese, eine Software, die mit der Verordnungsinformation gleichzeitig ein Verordnungsverbot, sprich einen drohenden Regress, weil unwirtschaftlich, anzeigt.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann könnten die Kassen doch gleich ganz übernehmen. Ist die o. a. Reaktion übertrieben?

Frdl. Grüße
Christiane


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BeitragVerfasst: 17.02.17, 07:38 
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zwischen zwei und vier zusätzlich aufploppende Bildschirmmasken wegklicken, die mir das Rezeptieren verbieten wollen.

Besonders fein sind die, bei denen man "nein" klicken muss, wenn "ja" gemeint ist und umgekehrt.

Edel ist auch, wenn dabei komplette Gesetzestexte mit 80 Seiten Juristenlyrik und Querverweise auf weitere Paragraphen angezeigt werden

Was damit gewollt ist: der Arzt soll einen Widerwillen gegen jegliches Rezeptieren haben.

Psychoterror ist längst fest eingebauter Bestandteil des Umgangs kranker Politiker- und Kassenhirne mit "ihren Leistungserbringern".

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 Betreff des Beitrags: Re: Marktwirtschaft und Wohlbefinden
BeitragVerfasst: 17.02.17, 08:21 
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Christianes Herz hat geschrieben:
Ist die o. a. Reaktion übertrieben?
Ein wenig.

Ein Beispiel aus der Augenheilkunde: Da gab es eine Cortisonsalbe. die gut bei Lidekzemen wirkt (nur mal nebenbei: in meiner Praxis sind 98% aller Lidekzeme bei Frauen ("neeeeein, Herr Doktor, ich schminke mich nicht...")). Und diese Cortisonsalbe hat verschiedene Schwestern, die mehr oder minder gleich gut wirken, aber nicht SO gut. Nun musste diese Salbe 2005 neu zugelassen werden, und diese Zulassung verzögerte sich.

Die Folge war, dass die Salbe "fiktiv zugelassen" war. Das heißt: sie war verkehrsfähig (durfte also in den Handel), aber nicht auf Kassenrezept verordnungsfähig. Einige Jahre lang haben die Kassen darüber hinweggesehen, dann aber nicht mehr - Geld für Kochkurse und Stempelheftchen musste ja her. Und dann kriegten Augenärzte, die diese Salbe trotzdem auf Kassenrezept verordneten, einen Regress.

In solchen Fällen hilft ein Popup, das den Arzt darüber informiert: "Hey, Herr Doktor, nehmen Sie ein Privatrezept oder zahlen Sie lieber gleich selber!"

Ähnliches gibt es bei Medikamenten, die OTC (also ohne Kassenrezept) genauso helfen. Hier greift dann die Arzneimittelrichtlinie, §12 Absatz 11. Hier sollte der Arzt ein verordnungspflichtiges Produkt nur dann wählen, wenn er gut belegen kann, dass ein verordnungsfreies nicht geholfen hat/hätte.

Übrigens sollte man sich den Anhang 3 mal durchlesen, da ist in Punkt 26 festgelegt, dass sämtliche abschwellenden Salben nach stumpfem Trauma und Schwellungen nicht auf Kassenrezept gehen. Wie schon mein Pathologe Ende der 80er sagte: "das bringt überhaupt nix!"

Wie Sie sehen, Christiane, ist man als Kassenarzt mit einem extremen Wust von Gesetzen beschäftigt, die zu allem Überfluss noch zum Teil von eigenen "Kollegen" ausgeheckt wurden. Manchmal ist ein Popup da nützlich. Manchmal.

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BeitragVerfasst: 17.02.17, 10:05 
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PR hat geschrieben:
oder ?
Aber so in 25 Jahren hab ich schon den Eindruck gewonnen, dass die kranken Kassen den Patienten eine Freibiermentalität gegenüber den Ärzten nahegelegt, und folgerichtig nicht wenige Patienten auch immer gern mitgenommen haben, was beim Arzt halt so zu holen ist. Ich red jetzt nicht von Wartezimmerzeitschriften, Klopapier und Slipeinlagen...


Selbst dann "verdienen" die Patienten immer noch keine schlechteren Ärzte, wie Sie insinuieren, denn dann hat man ihnen seitens des Versicherers einfach mehr versprochen, als tatsächlich versichert war oder geleistet werden kann.
"Fehlen zugesicherter Eigenschaften" nennt man das im Wettbewerbsrecht und ist strafbewehrt. Das von mir schon öfter zitierte Faltblatt "Perspektiven" der AOK ist so ein Fall, der eigentlich vor den Kadi gehört hätte.
Sie können aber auch nicht von einer Krankenkasse oder beliebigen Arbeitgeber erwarten, dass er seinen Versicherten/Kunden mitteilt, dass sie damit rechnen müssen, beim Arzt/Personal evtl. scheiße behandelt zu werden, weil von den 500-800 Euro KV-Beitrag pro Monat bzw. den auf der Rechnung aufgeführten 100-120€ Std.-Lohn nicht viel beim eigentlichen Leistungserbringer ankommt!
Und ganz besonders möchte ich darauf hinweisen, dass tatsächlich versicherte Leistungen von Ärzten verweigert werden, diese Weigerung nur niemand verfolgt und sanktioniert.

Keinesfalls aber "verdient" der Patient für so viel Geld im Monat zzgl. Zusatzbeitrag und zzgl. IGeL und zzgl. Eigenleistungen einen miesen, unwilligen Arzt!


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 Betreff des Beitrags: Re: Marktwirtschaft und Wohlbefinden
BeitragVerfasst: 17.02.17, 14:55 
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Sie haben es vermutlich schon gelesen: Voraussichtlich ab Ende März wird es wieder Zuschüsse zu Sehhilfen von der GKV geben, wenn (u.a.) die benötigten Glasstärken mind. +/- 6dpt betragen oder eine "Hornhautverkrümmung" mind. 4 dpt erreicht.
Wahrscheinlich gibt's von der Kasse diesselben Peanuts wie bisher, nämlich 10 bzw. 14,43€/Glas (BaWü)

Und jetzt kommt 's: ERFORDERLICH DAFÜR IST ABER EINE AUGENÄRZTLICHE VERORDNUNG!

Der Augenoptiker taugt offensichtlich nicht für das geringste Vertrauen in dessen Kompetenzen und Pflichtbewusstsein. :evil:
Die Augenärzte, die sich bislang außerstande sahen, für ca. 20€ All you can treat eine echte Verordnung auszustellen und nur Fresszettel mit "Stärkenempfehlungen" verteilten, müssen nun nicht nur wieder rezeptieren, sondern vor allem Termine für diese Patienten vorhalten und Zeit für Refraktionen aufwenden.
Da haben doch ein paar Leute gehörig den @rsch offen, oder? Rechtzeitig vor der Wahl wird so eine Pseudo-"Errungenschaft" präsentiert, an der aufgrund der erforderlichen Glasstärken ohnehin nur sehr wenige partizipieren.


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 Betreff des Beitrags: Re: Marktwirtschaft und Wohlbefinden
BeitragVerfasst: 17.02.17, 17:48 
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Barnie Geröllheimer hat geschrieben:
Wahrscheinlich gibt's von der Kasse diesselben Peanuts wie bisher, nämlich 10 bzw. 14,43€/Glas (BaWü)
Jo, aber (siehe auch oben, Patientenerwartung) die Patienten nehmens gerne mit.

Zitat:
Und jetzt kommt 's: ERFORDERLICH DAFÜR IST ABER EINE AUGENÄRZTLICHE VERORDNUNG!
:lachen:

Zitat:
Der Augenoptiker taugt offensichtlich nicht für das geringste Vertrauen in dessen Kompetenzen und Pflichtbewusstsein. :evil:
Nein, der Grund ist, dass eine solche Stärke als krankheitswertig eingestuft wird. Und die Feststellung und Behandlung von Erkrankungen bzw. ihre Einleitung ist und bleibt ärztliche Tätigkeit.

Zitat:
Da haben doch ein paar Leute gehörig den @rsch offen, oder?
Barnie, als alter Kommunist sollten Sie es anders sehen: es gibt Zückerchen für die Armen, und den nur unter strengen Bedingungen.

Wie die Augenärzte das machen wird man noch sehen. Ich weiß, dass in vielen Landstrichen nur gegen IGeL-Cash kassenbrillenrezeptiert wird, weil die Ärzte argumentieren, dass eine genaue Brillenbestimmung nicht WANZ ist. Bisher hat der BVA kein eindeutiges Machtwort besprochen - labberweich, wie er nunmal ist.

Eine kleine Anekdote: eine Patientin bringt mir eine Augeninnendruckmessung eines Betriebsmediziners mit (!). Da steht "Drucke ab 20 sind auffällig und sollten augenärztlich überprüft werden...und wenn der Patient ein Normaldruckglaukom hat und ihm schon bei 16 Druck das Licht ausgeht? Davon hat der Betriebsmediziner wohl noch nie gehört. Sie erinnern sich: die Optiker holten sich für die gleiche Sch...eine blutige Nase. Meine Beschwerde an den BVA wurde beantwortet mit "er ist Arzt, er darf Diagnosen stellen. Weisen Sie ihn doch auf das Haftungsrisiko hin." Dass der BVA himself mal aktiv wird? Ach wo kämen wir da hin!

Zitat:
...ohnehin nur sehr wenige partizipieren.
Genau, ein Bruchteil aller Patienten. Aber wollen wir wetten, wie viele kommen und "hoffen", sie fielen darunter?

Purer Aktionismus der Politik. Als ob die Augenärzte nicht genug zu tun hätten!

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BeitragVerfasst: 18.02.17, 00:52 
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Von solchen hab ich auch nicht geschrieben, Barnie.

Aber von solchen, denen jegliches Komplizieren und Fraternisieren mit Patienten vollständig abgewöhnt worden ist. Deren Solidarität mit dem Brötchengeber größer ist als die mit Patienten. Die fremder Weisung aus gleich zwei Richtungen unterliegen - der vom Arbeitgeber und der vom sogenannten Kostenträger. Denen das Stetho pünktlich aus der Hand fällt. Die jedesmal ein anderer sind, der sich bei jedwedem Kontakt erst neu in den Fall einlesen muss. Zu dem eine irgend andere als geschäftsmäßige Beziehung gar nicht in Betracht kommt.

Es sind diese im Sinne der "übergeordneten Verantwortung" der Herren Gandjour und Lauterbach ja sogar die besseren Ärzte. Die alternative facts sind schließlich nicht erst im Jahr 2017 erfunden worden.

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